Kultur : Schlußapplaus: Abschied von der Baracke

Aus, vorbei, das letze Mal Nicky Silvers "Fette Männer im Rock". Die Schauspieler auf dem Weg zum Schlußapplaus. Und wie jeden Abend ist Theaterleiter Thomas Ostermeier (rechts) auch bei der letzten Vorstellung seines Baracken-Erstlings mit von der Partie. Lugt aus der Kulisse, über der schon seit einiger Zeit die Melancholie des Abschieds hängt. Nur noch kurze Zeit, dann ist alles vorbei. Jeder weiß es: Ostermeier wird Schaubühnen-Intendant. Nix mehr Baracke! Die Tage der Experimentierbühne an der Schumannstraße sind gezählt. Irgendeiner hatte sie damals einfach stehenlassen: Die Baubude, in der bei der Renovierung des Deutschen Theaters in den achtziger Jahren die Bauarbeiter untergekrochen sind. Ab und an haben sie da drin später auch Theater gespielt. Doch das, was da nach der großen Zeitenwende in den Jahren 1997 bis 1999 geschehen sollte, hat damals keiner geahnt. Daß da einer kommen würde, den Schuppen in eine wahres Theaterzauberlabor zu verwandeln und plötzlich wieder provozierend realistisch-poetische Geschichten erzählt. So spannend, so romantisch-utopisch, so aufregend und neu, daß es nach der schon jetzt legendären Ära Ostermeier an diesem Ort kein theatrales Leben danach mehr geben kann und wird. 46 000 Zuschauer, von Saison zu Saison mehr, haben Ostermeiers Triumphe "Fette Männer im Rock", "Messer in Hennen", "Schoppen und Ficken" und was da sonst noch an vornehmlich anglo-amerikanischer, aber auch französischer und russischer Gegenwartsdramatik über die Bühne ging, gesehen. Aus und vorbei! Anfang Juli ziehen wieder die Bauarbeiter ein, weil das Deutsche Theater, das Mutterhaus nebenan, endlich saniert werden muß. Davor gibt es aber am Sonntag vor Ort noch ein Fest (mit Diskussion: "Was war die Baracke?", 15 Uhr, und Theater: "Suzuki I & II", 19 Uhr, und Party: Ensembleband und DJs, 23.15 Uhr) - für Friends und Fans und alle die, die bis zuletzt vergeblich an der Kasse angestanden sind.

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