Kultur : Schmerz der Eleven

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ALL THAT JAZZ

Christian Broecking über

Großstädter und Aussteiger

Im vergangenen Sommer war sie für einen einzigen Deutschlandauftritt im Berliner Tränenpalast. Die Sängerin SarahJane Morris hatte da gerade ihre CD „August“ veröffentlicht, ein wundervolles Album mit Cover-Versionen von „Move On Up“ bis „Piece Of My Heart“, ihrem eigenen Klassiker „Don’t Leave Me This Way“, und einem sensationell guten Marc Ribot in der Rolle des gefühlvollen Begleiters. Der Gitarrist hatte sich „You Can’t Put Your Arms Around A Memory“ ausgesucht, als die beiden eines Tages auf seiner New Yorker Dachterrasse saßen und sich gegenseitig ihre Lieblingssongs vorspielten, die sie dann einige Monate später, in der Intimität eines kleinen Studios in San Francisco neu aufnahmen. Am kommenden Montag erscheint nun die neue CD von Sarah-Jane Morris, „Love and Pain“, mit zwölf neuen Eigenkompositionen der charismatischen Sängerin mit der Bariton-Stimme. Mit diesem Album will Sarah-Jane Morris jenen Frauen in ihrem Leben danken, allen voran ihrer Mutter Joy, die ihr die kreative Kraft gaben, ihre Weiblichkeit durch Songs ausdrücken und feiern zu können. Am Sonnabend im Quasimodo (22 Uhr).

Eine andere Singer-Song-Writerin von besonderer Klasse ist Mia Doi Todd , die morgen ihr neues Album „The Golden State“ im Knaack-Club vorstellt (im Vorprogramm von Folk Implosion, 21 Uhr). Die „New York Times“ druckte kürzlich Auszüge aus ihrem Song „The Way“ und feierte die 27-jährige Sängerin, Gitarristen und Pianistin als clevere Anti-Kriegs-Künstlerin, die sich von den gängigen No War-Platitüden fernhält. Auf „The Golden State“ (Columbia) spielt sie schwer gängigen Neo-Folk-Pop, nicht wirklich neu, nicht eindeutig, aber voller seltsamer Variationen zum Überlebensdiskurs einsamer Großstädter und Aussteiger.

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