Kultur : Schmerzenskönigin

Karsten Neuschwender

Noch nicht mal ein eigenes Haus hat man ihr gegönnt. Die Uraufführung des Lady-Di-Musicals findet in einer Mehrzweckhalle am Stadtrand von Saarbrücken statt, organisiert vom Berliner Musiktheaterunternehmer Karl-Heinz Stracke, der 1964 - 72 das Theater des Westens leitete und seitdem mit Tourneeproduktionen durch die Lande tingelt. Und ganz so, wie die Prinzessin zu Lebzeiten zu den Menschen kam, wandert nun auch "Lady Diana. Ein Lächeln verzaubert die Welt" durch die deutschen Provinzen.

Es ist dunkel auf der Bühne. Nebelschwaden. Autoscheinwerfer blitzen auf, und man hört den Crash eines PKW-Unfalls. Ein düsterer Kerl kommt auf die Bühne: "Es ist geglückt", freut sich er sich - und bedient alle Verschwörungstheoretiker, die einfach nicht glauben wollen, dass es sich am 31. August 1997 um einen Unfall gehandelt haben könnte. Dann rollt Librettist Volker Führer das Leben der geadelten Kindergärtnerin von hinten auf. Führer klebt Szene für Szene in statischen Schnappschüssen aneinander. Was er beschreibt, ist die Geschichte einer lieben Blondine, die an der bösen Männerwelt scheitert. Das hört sich dann so an: Charles telefoniert mit Camilla. Diana kommt herein und fragt, mit wem er denn spreche. Der Gatte: Mit meiner Mutter.

Der Rest des Stückes ist keineswegs besser. Diana hält den öffentlichen Druck nicht mehr aus. Ausstatter Walter Perdacher, der bunte Dampfer und Paläste in beeindruckender Perspektivenlosigkeit gepinselt hat, versetzt diese dramatische Szene in ein spärlich möbliertes dunkles Zimmer. Geister, die mit Lämpchen ihre Gesichter in fahles Licht tauchen, tanzen um die am Boden liegende Prinzessin herum, hämisch raunend: "Noch ein Photo, klick!". Regisseur Gerhard Platiel ist damit eine echt schauerliche Szene gelungen. Platiel erhielt Anfang der 60er Jahre eine Tanzausbildung bei Madame Ergorova in Paris. Nennenswert weiterentwickelt hat er sich nicht. Seine Frauengestalten gackern hysterisch herum, und die Männer versuchen stets eine ruhige Hand zu bewahren. Einer der Herren sagt tatsächlich: "Vater muss zur Arbeit gehen, Mutter hat am Herd zu stehen". Und wenn es mal ausgelassen wird, tanzen alle mit einer Lebensfreude, wie einst das Deutsche Fernsehballett.

Eine Mischung aus Tanztee im Seniorenheim und Dr. Mabuse im englischen Königshaus ist auch die Musik von Peter Thomas. Very oldfashioned- und das hat in gewisser Weise sogar Charme. Denn es wirkt, als sei das Stück vor Jahrzehnten geschrieben, als Peter Thomas noch für das RIAS-Tanzorchester oder Edgar Wallace-Krimis die Musik machte. Musicaltaugliche Melodien gelingen ihm freilich keine - mit Ausnahme von "Nur die Liebe zählt". Was Karen Gillingham als Lady Diana da leicht quäkend zum besten gibt, geht einem nicht mehr aus dem Ohr - genauso wie die Frage, ob dieses blasse Mädel mit der Ausstrahlung von Barbie wirklich fähig ist, eine auch nur ansatzweise glaubwürdige Diana zu spielen. Es ist allerdings nicht so, dass Katherine Glasson als Camilla und Jonathan Burn als Prinzessinnenberater mehr Profil entwickelten. Das Interworld-Orchester Berlin trägt immerhin zu einem passablen musikalischen Gesamtbild bei.

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