Kultur : Schnaps und Kuss

Was Filmleute in ihrem Stammlokal erwartet

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Gerti Hofmann

CHEFIN DES RESTAURANT FLORIAN

Die Berlinale und mein Restaurant Florian verbindet eine lange Tradition. Sie hat sich zum Glück auch nach dem Umzug des Festivals zum Potsdamer Platz erhalten. Früher waren ja alle Kinos hier im Westen Berlins und das führte dazu, dass nach den Vorstellungen ein Riesenpulk hereinschaute. Das hat sich gelegt, was gar nicht unangenehm ist, weil ich es nicht mehr mit diesen Horden zu tun habe. Das gesamte Jahr über kommen Filmschaffende zu uns an den Savignyplatz, während der Berlinale bringen sie dann halt noch ihre Freunde mit.

Nach 24 Jahren als Chefin des Florian kenne ich da mittlerweile einen ganzen Haufen Leute. Das ist jedes Jahr zur Berlinale wie ein kleines Familienfest. Wir haben Stammgäste wie Stanley Kubricks Filmausstatter Ken Adam. Oder der Dieter, ich meine Dieter Kosslick, den Festival-Chef. Ich spreche aber ungern über die Promis, es sind Gäste wie andere auch, und ich will hier keine Paparazzi.

Während der Berlinale bin ich rund um die Uhr im Lokal und empfange Gäste. Sie kriegen ein Küsschen und werden dann platziert. Ich kellnere auch und kümmere mich darum, dass sich die Filmleute hier wie zu Hause fühlen,sie sind ja sonst so viel unterwegs. Die Stimmung während der Berlinale würde ich als positive Nervosität beschreiben. Wir müssen uns schneller bewegen, alles geht ruckizucki. Hier wurde auch schon das eine oder andere Filmgeschäft abgeschlossen.

Besonders liebe ich es ja, wenn irgendwelche Promis hereinschneien, ohne reserviert zu haben. Dann improvisieren wir und im Laufe eines Abends wird dann aus einem Tisch für zwei Leute schon mal ein Zehnertisch. Das Lokal ist ja recht eng, und man kann dann gar nicht anders, als miteinander ins Gespräch zu kommen.

Das mögen die Leute ja auch: miteinander kommunizieren. In den letzten 24 Jahren hat sich im Florian nichts verändert. Es war immer hell und schlicht und klar. Ich finde, die Menschen sollen sich ins Gesicht sehen und sie sollen ihr Essen erkennen. Kein Schnickschnack soll sie ablenken. Es gibt natürlich auch interessante amouröse Verbindungen, die sich hier anbahnen, aber davon erzähle ich nichts. Der Gentleman schweigt, und die Restaurantbesitzerin grinst sich einen.

Am wichtigsten für die Stimmung sind aber die Filme. Wenn einer schlecht war, dann ist auch die Stimmung mies. Dann wird schwer gemotzt. Ich frage natürlich, was die Gäste sich ansehen, weil ich mir Tipps holen möchte. Wenn die Leute aus einem schockierenden Film kommen, kriegen sie erstmal einen Schnaps.

Aufgeschrieben von Philipp Lichterbeck

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