Kultur : Schön schwer

-

SOTTO VOCE

Jörg Königsdorf greift

mächtig in die Harfe

Vermutlich war es rein männliche Perfidie, die Welt so einzurichten, dass ausgerechnet die Harfe lange das einzige Orchesterinstrument war, das von einer Frau gespielt werden durfte. Während sich Flöten und Geigen bequem unter den Arm nehmen lassen und selbst ein Kontrabass von einer halbwegs geschickten Einzelperson durch den öffentlichen Nahverkehr bugsiert werden kann, macht die Harfe einen in puncto Mobilität hilflos. Anders gesagt: Die Harfe ist zwar ein dekorativer Blickfang, die Harfenistin aber muss abseits rauschender Arpeggien und perlender Skalen immer auf die tatkräftige Unterstützung männlicher Muskeln hoffen. Doch zum Glück ist diese frauenfeindliche Konstellation inzwischen überall passé, gibt es vermutlich in jedem Orchester (außerhalb Wiens) genug Musikerinnen, die ihrer Kollegin im Bedarfsfall solidarisch unter die Arme greifen können – oder auch genug Posaunistinnen und Hornistinnen, die dem netten jungen Mann an der Harfe gerne behilflich sind. Mal ganz davon abgesehen, dass die Harfenistin von heute sich im FitnessStudio vermutlich ohnehin soweit auftrainiert hat, um ihr Instrument auch alleine schleppen zu können. Womit der Konzerthinweis sattsam eingeleitet wäre, denn er gilt der Harfenmatinee der jungen Deutschfranzösin Florence Sitruk , die ihren ersten bejubelten Berliner Auftritt bereits vor knapp zwei Jahren beim „Podium der Jungen“ mit dem Konzert des irischen Harfenvirtuosen Elias Parish Alvars hatte. Die effektvoll-romantischen Norma- Variationen dieses „Liszt der Harfe“ stehen am Sonntag im Musikinstrumenten-Museum auf dem Programm, außerdem noch Repertoire-Delikatessen wie Brittens Harfensuite und eine Bearbeitung von Bachs erster Cembalo-Partita.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben