Kultur : Schön war es doch

Das Berliner Filmmuseum präsentiert den Nachlass von Hildegard Knef

Christian Schröder

Vier Standfotos aus dem Film „Die Mörder sind unter uns“, daneben eine Widmung: „Hildegarde! Mögen diese Blumen und noch viele andere unsere Leiter bis zur letzten höchsten Sprosse bedecken. Mit meiner ganzen Liebe für Dich Schnutina, Dein Mann Kurt.“ Kurt, das war der amerikanische Filmoffizier Kurt Hirsch, den Hildegard Knef 1947 heiratete. Sie hatten sich kennen gelernt, als die gerade einmal 21-jährige Schauspielerin am Berliner Schlosspark-Theater spielte. Hirsch muss die Blumen seiner späteren Frau nach der Premiere von „Die Mörder sind unter uns“ geschenkt haben, sie hat die Widmung dann in ein Album geklebt. Sein Deutsch holpert ein wenig, doch die Leidenschaft dieser Liebe ist zu spüren, vor allem in dem wunderbaren Kosewort „Schnutina“. Die Ehe hat trotzdem nicht lange gehalten. Man fühlt sich ein wenig wie ein Voyeur, wenn man sich über die Vitrine beugt, in der das Album jetzt ausgestellt ist. Die Knef ist auf ihrer letzten Bühne angekommen: im Museum.

Vor einem knappen Jahr – am 1. Februar 2001 – starb Hildegard Knef mit 76, ab heute ist ein Teil ihrer Hinterlassenschaft im Berliner Filmmuseum zu sehen. Das Museum hat den Nachlass von ihrem Witwer Paul von Schell erworben. Steuergelder sind dafür nicht geflossen, die 250 000 Euro für den Ankauf stammen von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie und dem Förderverein des Museums. 4500 Fotos und 90 Bände mit Presseausschnitten gehören zu dem Nachlass, aber bloß 25 Paar Schuhe! Im Nachlass von Marlene Dietrich, der 1993 in das Museum kam, gibt es 250 Paar Schuhe. Und kann sich irgendjemand vorstellen, dass die Dietrich von einem ihrer Liebhaber „Schnutina“ genannt worden wäre?! Marlene Dietrich war eine perfekte Diva, auch privat blieb sie unnahbar.

Die Knef verkörperte das Gegenteil: Geheimnisvoll hat sie sich nie gegeben, Aura war ihr egal. Und während Marlene Dietrich in ihren letzten Jahren ihr Pariser Appartement nicht mehr verließ und mit der Welt bloß noch telefonierte, zog Hildegard Knef zuletzt mit ihrem dritten Ehemann in ein Einfamilienhaus in Kleinmachnow und ging bereitwillig in jede Talkshow. Über ihr Leben hat die Knef in einem Maße wie kein anderer deutscher Star Auskunft gegeben, nicht bloß in Interviews, auch in ihren Liedern und Büchern. Sie war eine öffentliche Frau, das hat ihre Karriere nicht immer erleichtert.

„Meine Frau lebte im Heute und im Morgen“, sagte Paul von Schell bei der Präsentation des Nachlasses. „Aber am Ende war sie doch glücklich, in ihrer Wohnung viele schöne Erinnerungen an ihre Karriere um sich zu haben.“ Den Bambi, den Hildegard Knef 2001 für ihr Lebenswerk bekam, platzierte sie so auf einem Wohnzimmerregal, dass sie ihn jederzeit von ihrem Bett aus sehen konnte. Lange hatten die Deutschen mit ihr gefremdelt, am Schluss umarmten sie sie umso heftiger. Mehr als hundert Mal ist die Knef im Laufe ihres Lebens umgezogen, ihre Karriere führte sie von Berlin über Los Angeles, London, New York, Paris und München wieder zurück nach Berlin. Dass ihr Nachlass dennoch so umfangreich ist, sei ein Wunder, sagt ihr Witwer. „Sie war nicht besonders ordentlich, nur in der Arbeit.“

Im Filmmuseum ist einen Monat lang ein Bruchteil dieses Nachlasses zu sehen, Ende 2004 soll eine große Ausstellung folgen. Das Zeugnis der Städtischen Mittelschule Berlin-Schöneberg attestiert der 12-Jährigen 1938 ein „nicht gleichmäßig gut“ im Betragen, dafür aber eine „2“ in Handschrift. Fotos zeigen die Schauspielerin mit Gustav Fröhlich („Die Sünderin“), Hans Albers („Nachts auf den Straßen“) und Gregory Peck („Schnee am Kilimandscharo“). Ein blauer Morgenmantel aus dem „Film ohne Titel“ (1947) und ein Seidenkleid, in dem sie die Songs ihrer letzten CD „17 Millimeter“ (2000) sang, stehen einander gegenüber. Die Noten von „Von nun an ging’s bergab“ hängen an der Wand, es gibt Plakate, Rollenbücher und Filmpreise, auch das Manuskript der Autobiographie „Der geschenkte Gaul“ fehlt nicht. Wer will, kann sich auf ein Sofa setzen und per Kopfhörer noch einmal der Knef zuhören. Vielleicht singt sie dann gerade eines ihrer letzten Lieder, es heißt „Zum Schluss“: „Doch zum Schluss kommste wieder auf die Beine / Der Engel hält die Versprechen, die er gab.“ Das muss Gottvertrauen sein.

Filmmuseum Berlin, am Potsdamer Platz, bis 15. Januar.

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