Kultur : Schöner löhnen

Bernhard Schulz besieht sich die Gehälter in New Yorks Museumswelt

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Es ist kein Zuckerschlecken, in New York Kulturmanager zu sein. Die wichtigste Aufgabe besteht darin, Geld einzusammeln. Unzählige Geschäftsessen, Galadinner und Privatbesuche muss ein Direktor absolvieren, um harte Dollars locker zu machen. Glenn D. Lowry, Chef des Museum of Modern Art und ausgerüstet mit einem Studium der Kunstgeschichte sowie beeindruckender Erfahrung in Verwaltung, hat es darin zur Meisterschaft gebracht. 858 Millionen Dollar sammelte er für den Um- und Neubau seines Museums ein, das vor gut zwei Jahren glanzvoll wiedereröffnet wurde. Dass ein solcher Spitzenmanager angemessen entlohnt sein will, versteht sich von selbst; an seinen 1,3 Millionen Dollar Jahresgehalt nimmt denn auch kein New Yorker Anstoß. Wohl aber an den zusätzlichen 5,35 Millionen Dollar, die er seit seinem Amtsantritt 1995 zugesteckt bekam: aus einem Fonds nämlich, der offiziell gemeinnützige und mithin steuerbegünstigte Zwecke verfolgt. Dieser „New York Fine Arts Support Trust“, aufgefüllt von einer Handvoll der reichsten MoMA-Treuhänder, hatte indessen bislang einzig die Aufgabe, Lowry mit einem Zusatzeinkommen zu „unterstützen“, unter anderem, damit sich der Direktor eine repräsentable Wohnung auf dem notorisch überhitzten New Yorker Immobilienmarkt leisten kann. Zuschüsse zu Wohnungskauf oder -miete sind bei anderen Museumsdirektoren seiner Kategorie durchaus üblich. Doch die MoMA-Konstruktion ruft die Steuerexperten auf den Plan – und wahrscheinlich auch das Finanzamt, den nicht eben zimperlichen Internal Revenue Service. Rundum wird erst einmal abgewiegelt – und offenkundig mit bestem Gewissen. Denn Zusatzleistungen sind üblich in der Stadt der astronomisch hohen Lebenshaltungskosten, für Uniprofessoren, Klinikchefs oder Topmusiker. Und eben auch für Museumsdirektoren. Einem armen Schlucker geben die wirklich Reichen nichts, wenn er Spenden sammelt. Einem, der – wie Lowry – in ein Luxusapartment der 53. Straße einladen kann, indessen schon. So funktioniert der soziale Mechanismus. Kultur ist ein gewöhnlicher Geschäftszweig, erst recht in New York.

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