Kultur : Schöner Silvio

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Peter von Becker über

eine Sensation in der Politik

Eben erst hat Dario Fo in seinem neuen Stück „Der unnormale Doppelkopf“ das Hirn von Silvio Berlusconi operieren lassen. Dieser dramatische Eingriff soll dem italienischen Medienministerpräsidenten schlechter als seiner Frau gefallen haben. Trotzdem hat er sich gleich darauf freiwillig unters Skalpell begeben. Kein neues Hirn, aber ein bisschen einen neuen Kopf wollte der Cavaliere schon haben, mit weniger Falten und Tränensäcken ums Auge und frisch gelifteten Lidern und energisch zugespitztem Kinn. Nur größer ist Silvio Bonaparte unter dem Messer der amerikanischen Schönheitschirurgen im Schweizer Lugano wohl nicht geworden. Dafür diskutieren Italiens Medien, so weit sie es diskutieren dürfen, über den plötzlichen Ernst (wann darf er wieder lachen?) und neue Asymmetrien im berlusconischen Angesicht – das vier Wochen lang von der Bildfläche verschwunden war. Doch bevor wir uns sorgen, ob aus Silvio nun Jacko wird, staunen wir: dass es heute einem Spitzenpolitiker überhaupt noch möglich ist, für vier Wochen einfach auszusteigen. Man stelle sich nur vor, der arme Gerhard Schröder, der nicht mal mehr in Italien ausspannen kann und sich schon wegen der Haarfarbe rechtfertigen muss, er nimmt einfach einen Monat Auszeit. Nicht beim Gesichtsschneider, sondern in einem Zen-Kloster. Oder bei den Benediktinern. Zum Meditieren. Zum Nachdenken. Über ein besseres Leben. Seeleliften, Kopflüften zur politischen Reform. Das wäre doch noch schöner!

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