Kultur : Schrei, wenn du kannst

Joe Cocker in der Waldbühne

Rebecca Schindler
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Mit seiner in die Jahre gekommenen Figur – Brust raus, Bauch auch – steht Joe Cocker bei Vollmond auf der Waldbühne und gibt seinen Woodstock-Schrei zum Besten. In gewohnter Hektik zappelt er herum, führt seine zum Markenzeichen gewordenen, merkwürdigen Armbewegungen aus und schmettert mit dieser rauchigen, whiskeyverbrannten Stimme einen Hit nach dem anderen.

Über 13 000 Besucher sind gekommen – dabei war Cocker doch gerade erst vor ein paar Monaten in Berlin, Ende November in der fast ausverkauften O2-World. Neben altbekannten Mitgrölsongs wie „You Can Leave Your Hat On“, „Unchain My Heart“ und „Summer In The City“ streut Cocker am Sonnabend auch wieder einige Lieder seines aktuellen Albums „Hard Knocks“. Mag sein, dass dies seine bislang erfolgreichste Platte in Deutschland ist – das Publikum schwoft, singt und klatscht dann doch lieber zu den Klassikern. Natürlich werden bei Schmalznummern wie „Unforgiven“ vereinzelt die Feuerzeuge und Wunderkerzen gezückt.

Die gute Stimmung in der Waldbühne hat der 67-Jährige allerdings ein wenig seinen beiden Voracts zu verdanken: Tim Bendzko und – ja! – den Puhdys. Der Berliner Sunnyboy Bendzko, der seit zehn Wochen auf Platz zwei der deutschen Singlecharts „Nur noch kurz die Welt retten“ muss, zeigt, dass er noch weitere poppige Ohrwürmer zu bieten hat. Die 1969 gegründeten DDR-Rocker hingegen greifen genau wie Cocker auf altbewährtes Material zurück, heizen dem Publikum mit typischen Berliner Hymnen wie „Hey, wir woll’n die Eisbärn sehn“ ein.

Joe Cocker, der sich während seines 100-minütigen Auftritts dann gewohnt wortkarg gibt, lässt seiner Band viel Platz für ausufernde Saxophon-, Gitarren- und Keyboard-Solos. An manchen Stellen wünscht man sich allerdings mehr von der Cocker’schen Reibeisenstimme. Wie bei „N’oubliez jamais“, bei dem er nur von einem Akkordeon begleitet wird.

Die Fans sind natürlich trotzdem mit ihrem Joe zufrieden, zum Ende der Show kann sich kaum noch jemand auf den Sitzen halten. Zum Abschluss der Zugabenserie dann noch einen von Cocker an diesem Abend so häufig vorgeführten Luftsprüngen: ein tolles Gejaule bei Vollmond. Rebecca Schindler

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