SCHREIB Waren : Da ist Feuer unterm Eis

Nun ist es wieder so weit. Nebel, Kälte, Dunkelheit. Tag und Nacht sind kaum unterscheidbar. Unwillkürlich denkt man an Finnland. Zumindest, wenn man keine Ahnung hat von Finnland. Denn das vermeintlich exotische Land am Rande Europas ist auf den zweiten Blick schon nicht mehr ganz so exotisch.

Steffen Richter

Nun ist es wieder so weit. Nebel, Kälte, Dunkelheit. Tag und Nacht sind kaum unterscheidbar. Unwillkürlich denkt man an Finnland. Zumindest, wenn man keine Ahnung hat von Finnland. Denn das vermeintlich exotische Land am Rande Europas ist auf den zweiten Blick schon nicht mehr ganz so exotisch. Glaubt man Kjell Westö, sahen selbst die „Wilden Zwanziger“ in Helsinki nicht viel anders aus als bei uns: Eine Bohème feierte mit Jazz und Champagner, dem einen Desaster entkommen zu sein – und trieb schon aufs nächste zu. Westös Roman über diese Zeit heißt „Wo wir einst gingen“ (btb) und beginnt 1905, als der russische Generalgouverneur, der den Finnen die Unabhängigkeit verweigert, ermordet wird. Weil sich im darauffolgenden Bürgerkrieg Landsleute niedermetzelten, war die Ära lange ein heikles Thema für die Finnen, manche sprechen gar von einem Tabu. Westö erzählt von diesem Krieg aus der Perspektive der schwedischen Minderheit in Finnland, der er selbst angehört. Am heutigen Dienstag (18 Uhr) liest er in der Vertretung der Europäischen Kommission (Unter den Linden 78).

Wem das zu viel Norden ist, dem sei die Latinale ans Herz gelegt. Dieses zum dritten Mal ausgetragene lateinamerikanische Poesiefestival bewegt in diesem Jahr zwölf Dichter aus sieben Ländern durch deutsche Städte – nach Halle, Bremen und Berlin. Im Mittelpunkt soll die Metapher stehen, als „politisches, soziales und ökologisches Medium“. Wer sich unter der Metapher als ökologisches Medium wenig vorstellen kann, darf sich das im Instituto Cervantes erklären lassen (Rosenstr. 18-19, Mitte). Dort geht es in Lesungen am 21. 11. (19 Uhr) um „Grenzgänge und Roadpoems“ sowie am 22. 11. (19 Uhr) um „Gedichte gegen Hundeleben“. Flankiert wird die Lyrik von Dokumentarfilmen und Gesprächen (Programm: latinale.blogsport.de).

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