SCHREIB Waren : Darf’s ein bisschen teurer sein?

Bücher könnten bald die Anmutung von Schokoriegeln oder Zahnpasta bekommen. Der Lübbe-Verlag, meldet das Branchenmagazin „Buchreport“, stattet sein Herbstprogramm mit 99er-Preisen aus.

Steffen Richter

Der Konsument, sagen Preisforscher, schätze die „krummen“ Preise und konsumiere beschwingt. Doch bei qualitativ hochwertigen Produkten kann die 99 eine fatale Wirkung haben. Es sieht billig aus. Zwischen 29,80 und 29,99 liegen nicht 19 Cent, sondern Welten. Was also möchte uns Lübbe sagen?

Büchermacher wollen derzeit mal wieder über Geld reden. Das Problem, meint Joerg Pfuhl, Chef bei Random House, seien gewachsene Produktionskosten bei konstanten Buchpreisen. Nun könne man an der Luxusausstattung unserer Hardcover sparen. Außerdem wäre der Auslieferungsservice zu überdenken, der ein Buch am nächsten Tag in eine beliebige Buchhandlung bringt. Dennoch führe an einer Preiserhöhung kaum ein Weg vorbei. Bücher seien so „unverwechselbar“, dass sie „einen Mehrpreis verkraften“. Pfuhl redet von 1 bis 2 Euro. Hmm.

Daniela Seel, die erfolgreiche Verlegerin des Kleinunternehmens Kookbooks, möchte hingegen lieber über Mäzene reden. Die staatliche Unterstützung des Buchmarktes – Buchpreisbindung und verminderte Mehrwertsteuer – reicht nicht. Neue Überlebensquellen müssen her. Mäzene eben. Das sind Menschen, die Geld ausgeben, ohne dafür noch mehr Geld zurückzubekommen, also eine seltene Spezies. Am Mittwoch (20 Uhr) diskutiert Seel mit dem Schriftsteller Burkhard Spinnen in der Literaturwerkstatt über „Geld, Macht, Geist?“ (Knaackstr. 97, Prenzlauer Berg). Übrigens: Dass Literatur Spaß macht, kann man am Pfingstwochenende sehen. Da geht das LAN-Festival mit deutschsprachigen Autoren von Jenny Erpenbeck über Kathrin Röggla bis Helene Hegemann in die zweite Runde. Vom 29. bis 31.5. lesen jeweils ab 19 Uhr 30 achtzehn Autoren im HAU 2 (Hallesches Ufer 32, Kreuzberg).

Dass Geld und Glück nur bedingt miteinander zu tun haben, weiß auch der Protagonist aus Wilhelm Genazinos Roman „Das Glück in glücksfernen Zeiten“ (Hanser). Der Philosoph, der halbtags leben möchte, um sich in der anderen Hälfte vom Leben zu erholen, hat jedenfalls keine materiellen Sorgen. Dass er dennoch in der Psychiatrie endet, bezeugt das hohe Verstörungspotenzial des „Zwangsabonnements der Wirklichkeit“. Doch wenn Genazino diese Geschichte am Donnerstag (20 Uhr 30) im Buchhändlerkeller erzählt, kann man daraus ästhetischen Mehrwert ziehen (Carmerstraße 1, Charlottenburg). Sicher: Glück kann man nicht kaufen. Aber man kann Dinge kaufen, die glücklich machen. Zum Beispiel Bücher.

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