SCHREIB Waren : Ende der Privatsphäre

Steffen Richter über den Automatismus von Skandaldebatten

Steffen Richter

Heute läuft das so: Jemand setzt ein Gerücht in die Welt. Ein Medium greift es auf, warnt vor dem Skandal – und setzt ihn damit in Gang. Wer klarstellen will, macht die Sache noch schlimmer, weil jedes Dementi die Verleumdung wiederholen muss. Welches Ausmaß Kampagnen angenommen haben, zeigt Rufmord und Medienopfer (Ch. Links Verlag), ein erschütternder Sammelband, den die Medienrecht-Experten Christian Schertz und Thomas Schuler herausgegeben haben. Es treten auf: Günter Grass, Michel Friedmann, Natascha Kampusch, Susanne Osthoff und Katharina Blum. Ob es um Homosexualität, Stasiakten oder Dopingbeichten geht – was im Kampf um die Story auf der Strecke bleibt, ist die journalistische Recherchepflicht. Es wird also über die Grenzen der Medienfreiheit diskutiert, wenn die Herausgeber heute im Restaurant des Berlin Pavillons am Reichstag ihr Buch vorstellen (Scheidemannstr. 1, Tiergarten, 19 Uhr 30).

Das Internet macht das Problem nicht eben kleiner. Nirgendwo diffamiert es sich einfacher. Und: Das Netz vergisst nicht. Datenspuren lassen sich nicht so leicht tilgen. Zumal, wenn sie gesammelt werden. Hier kommt Peter Schaar ins Spiel, der Bundesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit. Sein neues Buch heißt Das Ende der Privatsphäre (C. Bertelsmann). Den Rechtsstaat sieh Schaar in Bedrängnis, seit die Angst vor inneren und äußeren Feinden sich mit neuesten Technologien verbündet. Es ist also ein brisantes Thema, das bei Schaars Buchpräsentation am 12.12. in Lehmanns Fachbuchhandlung zur Debatte steht (Hardenbergstr. 5, Charlottenburg, 20 Uhr 15).

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