SCHREIB Waren : Geschichten vom Inselleben

In diesen Tagen mag so mancher von einer kleinen malerischen Insel träumen - doch zum Inselleben gehört nicht nur Idylle. Verschiedene Autoren äußern sich zum Thema Inselleben.

von

Wie das Leben auf einer Insel aussieht, kann man zurzeit in der Sommerserie auf der Seite Drei dieser Zeitung nachlesen. Bevor man auf einer Insel lebt, muss man aber erst einmal dort hingekommen sein, und das heißt, dass man (wenn man nicht auf ihr geboren oder auf sie verbannt wurde) vorher von ihr geträumt hat. Solange es Gesellschaft gibt, gibt es vermutlich auch den Traum von der Insel, also von einem Ort, an dem ihre als Korsett empfundenen Regeln außer Kraft gesetzt oder ins Paradiesische (Utopia!) gewendet sind. Kein Internet, kein Kaffee in Gläsern mit Milchschaum obendrauf, keine paralysiert aufs iPad glotzenden Mitmenschen. Da Berlin so wasserreich ist, kann man sich diesen Insel-Traum sogar in unserer kleinen Stadt erfüllen.

Man fährt einfach an den Tegeler See, besteigt eine Fähre, verlässt sie nach dreieinhalb Minuten Schipperzeit wieder und befindet sich auf einer echten Insel: Urwald, Strand und primitive Hütten, die zwischen dichten Sträuchern hervorschauen. Ungläubig schlägt man sich durch hohes Gras und begegnet dann doch menschlichen Wesen – einer Schreibkollegin aus Prenzlauer Berg, einem Fernsehjournalisten in Badeschlappen, und bevor man den Badesteg erreicht hat, läuft einem noch der sympathischste Dramaturg Berlins über den Weg, der dem Besucher auf einem Campingkocher sogleich einen echten Espresso bereitet.

Man sieht: Zu jedem anständigen Inseltraum gehört eine anständige Überraschung (manchmal auch Desillusionierung genannt!). Was sonst noch dazugehört, weiß Volker Billig, der ein ganzes Buch über Inseln und ihre Faszination geschrieben hat. Billig untersuchte Insel-Projektionen durch die Jahrhunderte und pendelt zwischen Etymologie und Cyber Space, zwischen Odysseus, Robinson Crusoe und Leonardo DiCaprio, der – wie man dank des Films „The Beach“ weiß – auf einer thailändischen Insel das Heuschrecken-Verspeisen lernte (Literaturforum im Brecht-Haus, Mittwoch, 21.7., 20 Uhr, Chausseestraße 125).

Auch der Reiseschriftsteller Patrick Leigh Fermor hat einmal ein Insel-Buch geschrieben. In seinem einzigen Roman „Die Violinen von Saint-Jacques“ lässt er eine Überlebende von der Antilleninsel Saint-Jacques erzählen, die bei einem Vulkanausbruch um 1900 unterging. Das Buch, das Fermor während eines Karibikaufenthaltes vor über fünfzig Jahren verfasste, ist vor kurzem im ambitionierten Schweizer Dörlemann-Verlag neu aufgelegt worden, der sein Programm – zusammen mit anderen Kleinverlagen – am Samstag, den 23.7., ab 15 Uhr auf dem schon Tradition gewordenen Sommerfest der Kleinen Verlage im Literarischen Colloquium (Am Sandwerder 5) vorstellt. Mit dabei unter anderem der Verbrecher-Verlag, Kookbooks, speak low, Onkel & Onkel, Mathes & Seitz und der Bilger-Verlag. Es lesen Monika Rinck, Florian Neuner, Donata Rigg, Ulrike Ulrich, Roland Heer, Günter Herburger, und die Berliner Publizistin Maike Albath stellt ihr bei Berenberg erschienenes Buch über den Einaudi-Verlag vor.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben