SCHREIB Waren : Kafka! Kleist! Kleine Verlage!

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In diesen Tagen feiert der legendäre, in Frankfurt am Main ansässige Stroemfeld Verlag, der über lange Zeit auch den Roten Stern im Titel trug, sein vierzigjähriges Bestehen. Was schon so etwas wie eine kleine Sensation ist, denn der Verlag ist erstens unabhängig und hat sich – nach linken Pamphleten wie „Erziehung und Klassenkampf“ in den Anfangsjahren – auf die Herausgabe sorgfältig edierter kritischer Ausgaben spezialisiert. Kafka! Kleist! Kürzlich wurde eine zwanzigbändige Hölderlin-Ausgabe abgeschlossen. Briefe von Georg Trakl gehören ebenso wie die Schriften des Berliner Religionsphilosophen Klaus Heinrich zum Programm. Der bekannteste Gegenwartsautor heißt Peter Kurzeck, der mit der jüngeren Geschichte Frankfurts wohl ebenso eng verwoben ist wie das kleine Publikationshaus, dem die Stadt Frankfurt übrigens gerade mit einer liebevollen Ausstellung in der Nationalbibliothek dankt.

Dass Verlage wie Stroemfeld im Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit bleiben – daran hat auch die Kurt-WolffStiftung ihren bescheidenen Anteil. Sie wurde vor zehn Jahren zur „Förderung einer vielfältigen Verlags- und Literaturszene“ gegründet und vergibt jedes Jahr den Kurt-Wolff-Preis (plus Förderpreis) an kleine, unabhängige Verlage. Neben dem Stroemfeld Verlag wurden etwa der Merve Verlag, die Friedenauer Presse, Kookbooks oder der in den letzten Jahren neu aufgeblühte Matthes & Seitz Verlag ausgezeichnet. Am Sonntag, den 29.8., feiert das Literaturhaus ab 15 Uhr bei freiem Eintritt (Fasanenstraße 23) zusammen mit der Kurt-Wolff-Stiftung sein Sommerfest, und dabei lesen zehn Autoren aus den zehn prämierten Verlagen, unter anderem Thomas Kapielski, Wolfgang Schlüter und Hans-Gerd Koch.

Etwas spektakulärer wird es voraussichtlich am Samstag, den 28.8., zugehen, wenn der Suhrkamp Verlag das diesjährige Sommerfest des Literarischen Colloquiums am Wannsee (Am Sandwerder 5, ab 14.30 Uhr) ausrichtet. Abgesehen von den erwartbaren Lesungen der Hausautoren, wird – wohl um die geheime, also uralte Verbundenheit zwischen Suhrkamp und Berlin zu beschwören – aus Walter Benjamins „Berliner Kindheit“ vorgetragen. Außerdem unterhält sich der bekennende Kommunist Dietmar Dath mit Gregor Gysi. Und zum Höhepunkt singt Angela Winkler Lieder von Bertholt Brecht.

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