SCHREIB Waren : Schau heimwärts, Engel

Andreas Schäfer über das Lebensglück betagter Literaten

Andreas Schäfer

Der Neuerscheinungsmarathon des Jahres geht in die letzte Runde, und nicht nur auf den Tischen der Buchhandlungen drängen sich aufgeregt die Titel – auch an den einschlägigen Leseorten der Stadt geben sich in diesen Wochen die Autoren die Klinke in die Hand. Bevor wir uns aber in den Vorstellungslauf allerneuester Titel begeben, sei an ein wunderbares Buch aus dem Frühjahr erinnert: Die Jahre sind mein Lebensglück, herausgegeben von Petra Müller und Rainer Wieland, die am 22. 9. in Britta Gansebohms Literarischem Salon (BKA-Theater, Mehringdamm 34, Kreuzberg, 20.30 Uhr) daraus vorlesen. Betagte Schriftsteller sprechen oder schreiben darin über das Altwerden. „Siebzig hat Chic. Achtzig Eleganz!“, findet Dorothy Parker. Woody Allen erinnert sich schaudernd an die traumatischen Erfahrungen seiner runden Geburtstage, und George Tabori sagt: „Wenn man sehr alt ist oder sehr jung, kann man den sterbenden Spatz auf dem Gras in ein Meisterwerk verwandeln. Man muss sich nur Zeit nehmen.“

Jetzt aber schnell: Am 17. 9. stellt der Buchpreisanwärter Uwe Tellkamp im Literarischen Colloquium Berlin (Am Sandwerder 5, Zehlendorf, 20 Uhr) seinen tausendseitigen Roman „Der Turm“ über eine bildungsbürgerliche Familie vor, die in Dresden die letzten Jahre der DDR erlebt. Tags darauf, am 18. 9., liest an gleicher Stelle Gunther Geltinger aus seinem Debütroman „Mensch Engel“, in dem es um einen Mann geht, der wegen seiner Unfähigkeit zu lieben vermutet, dass er zur Welt der Engel gehört. Adolf Muschg, ehemaliger Präsident der Akademie der Künste, präsentiert am 17. 9. ebendort (Pariser Platz, Mitte, 20 Uhr) den Liebesroman „Kinderhochzeit“. Und bevor sich auf der Frankfurter Buchmesse die Türkei präsentiert, führt Mario Levi am 19. 9. im Literaturhaus (Fasanenstraße 23, Wilmersdorf, 20 Uhr) mit seinem opulenten Buch „Istanbul war ein Märchen“ in die Geheimnisse des Bosporus ein.

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