SCHREIB Waren : Alles bleibt im Fluss

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Von Wladimir Kaminer gibt es die Geschichte der Stadt Paris, die für verdiente Sowjetbürger eingerichtet wurde. Da selbst diese nicht in den Westen reisen durften, erschuf man in der „südrussischen Steppe“ die französische Hauptstadt noch einmal – und zwar besser! Denn sie hatte den Vorteil, dass sie sich im Herbst flugs in die englische Hauptstadt London umbauen ließ. Rayk Wieland hat nun das Fake-Reisen in „Kein Feuer, das nicht brennt“ anders ausgesponnen: Sein Held, ein ehemaliger DDR-Bürger namens W. reist auch nach dem Mauerfall nur in der Fantasie. Und verfasst Berichte über ferne Länder, die ein Reisemagazin begeistert abgedruckt. Spricht das gegen den vorgeblichen Reisereporter oder gegen unsere Idee vom authentischen Fremden, die offenbar doch nur Klischee ist? Doch keine mentale Einmauerung währt ewig, und so muss W. doch raus in die weite Welt. Im Palais am Festungsgraben spricht Sigrid Löffler mit dem Autor über seinen hintergründigen Roman (Dienstag, 20 Uhr, , Am Festungsgraben 1).

„Fehlen nicht immer die wertvollsten Menschen?“, lautet eine der Fragen, die W. umtreiben. Und diejenigen, um die es im Buch „Ohne Dich ist alles Staub“ geht, hätten sich verstanden gefühlt. Denn es sind die Verfasser von Liebesbriefen aus den letzten 100 Jahren. Falko Hennig und Robert Weber fanden diese Briefe auf Dachböden, Flohmärkten und anderswo. Am Mittwoch stellen sie ihren Band vor, es moderiert Gerrit Bartels vom Tagesspiegel (20 Uhr, Palais am Festungsgraben, Am Festungsgraben 1).

Auch der amerikanische Folksinger Woody Guthrie schrieb Briefe, denn er reiste häufig durchs Land. Megabekannt wurde „My Land is Your Land“ – kaum den Titel gelesen, summt man ihn! Der 100. Geburtstag des Sängers wird auch beim „Down by the river“-Festival gefeiert: Barbara Mürdter, Autorin der Biografie „Stimme des anderen Amerika“, spricht über Guthrie und Ian Fisher gratuliert musikalisch (Sonnabend, 22 Uhr, Kater Holzig, Michaelkirchstr. 23).

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