SCHREIB Waren : Aufbruch und Aufschluss

Elke Bruens

Eine Reise zum Mond war zu Jules Vernes Zeiten noch aufregende Zukunftsmusik. Welche Bilder machen wir uns heute von der Zukunft – und sind die unendlichen Weiten des Weltraumes inzwischen eher virtuelle? Unter dem vielversprechenden, wenn auch aktuell wieder utopischen Titel Science-Fiction: Das Internetz in den Händen der Arbeiterklasse sprechen am Dienstag um 20 Uhr Angela und Karlheinz Steinmüller im Literaturforum im Brecht-Haus (Chausseestraße 125) über das Schreiben von Zukunftsromanen in den Zeiten des Kalten Krieges und heute.

Eine der eindrücklichsten Erfahrungen des Berliner Theaterleben bieten die Produktionen des Knasttheaters „AufBruch“ in den Justizvollzugsanstalten Tegel und Plötzensee. Wie muss es für die Gefangenen sein, wenn die Besucher nach der kurzen Premierenfeier hinausgehen können und sie zurück in die Zelle müssen?

Am Donnerstag um 20 Uhr berichtet der Schauspieler und Regisseur Jan Jönson im Roten Salon der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz von seiner Theaterarbeit, zu der durchaus auch Ausbruchsversuche seiner inhaftierten Darsteller gehören. Attention please: Die Performance findet in englischer Sprache statt!

Bon Voyage! Dies würden sich Gefangene sicher gerne wünschen. Zum makabren Reisegruß wird der Satz allerdings für Flüchtlinge, die sich auf eine unsichere Odyssee durch verschiedene Staaten begeben und dann nicht selten ohne Papiere als sogenannte Illegale ein Dasein fristen müssen. Anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Genfer Flüchtlingskonvention lädt der Heimathafen Neukölln (Karl-Marx-Straße 141) zum Festival Bon Voyage!, das die Situation der Flüchtlinge und Illegalisierten in der globalisierten Welt in den Mittelpunkt stellt. Am Sonntag wird bei freiem Eintritt ab 14 Uhr in einer Marathon-Lesung Anna Seghers Flüchtlingsroman „Transit“ gelesen. Die Autorin selbst war vor den Nazis geflüchtet und kannte die Jagd nach Stempeln und Visa, die sie in ihrem in Marseille spielenden Roman beschrieb. Attention, s’il vous plaît: Wetter beachten, die Lesung findet open air statt.

Auch die Philosophin Hannah Arendt hat das Schicksal der Staatenlosen am eigenen Leibe erfahren. Nachdem sie 1933 Deutschland verlassen hatte, lebte sie ohne Papiere in Paris, später konnte sie nach New York ausreisen. Ihre Erfahrungen verarbeitete sie 1943 in dem Essay „Wir Flüchtlinge“, in dem sie den Status der „Vogelfreien“ reflektierte. Im Literaturforum stellt am Donnerstag um 20 Uhr Marie Luise Knott ihr Buch „Verlernen. Denkwege bei Hannah Arendt“ vor. Mit dem „Verlernen“ ist ein Denken markiert, das es erlaubt, Altes zugunsten des Neuen zu revidieren. Denkwege als Form geistiger Beweglichkeit, die ohne die erzwungenen Reiserouten einer Emigrantin sicher anders verlaufen wären.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben