SCHREIB Waren : Begegnung auf dem Friedhof

Andreas Schäfer

Er ist in Sri Lanka geboren, in London aufgewachsen und während der Hochzeitsreise mit seiner Frau in Hongkong gestrandet, wo die beiden drei chinesische Kinder adoptierten. Bei der „South China Morning Post“ avancierte Nury Vittachi daraufhin zum beliebtesten Kolumnisten der Stadt, bis seinen Arbeitgebern sein Spott über den ehemaligen Regierungschef Tung Chee-hwa nicht mehr behagte. Vittachi erhielt Schreibverbot – und veröffentlicht seitdem irrwitzige Krimis, in denen asiatisches Brauchtum, Lifestyle und Computerviren gut gelaunt durcheinanderwirbeln. Der miesepetrige Feng-Shui-Meister C. F. Wong und seine 17-jährige Praktikantin Joyce zählen zu den skurrilsten Ermittlerpaaren. „Nury Vittachi schreibt den Stil des lächelnden Buddha“, jubelte ein Rezensent. Ob das stimmt, kann man heute in der Krimibuchhandlung totsicher (Winsstraße 16, 20 Uhr) nachprüfen, wo Stephan Reher aus Vittachis Büchern lesen wird.

Am 21. März begehen wir den „Welttag der Poesie“, wie ihn die Unesco in Abgrenzung zum „Tag des Buches“ ausgerufen hat. Er soll „an den Stellenwert der Poesie“ und die „Vielfalt des Kulturguts Sprache“ erinnern. Eine zentrale Rolle bei dieser Erinnerung kommt der Berliner Literaturwerkstatt zu, die im Jahr 2000 nicht nur die Internetplattform lyrikline.org einrichtete, sondern jährlich auch die deutschsprachige Tagder-Poesie-Hauptveranstaltung organisiert, die dieses Mal schon am Donnerstag, den 19., im Max-Liebermann-Haus (Pariser Platz 7, 20 Uhr) stattfindet und dichterische Stimmen aus fünf Ländern zusammenführt. Es lesen Laurynas Katkus aus Litauen, Erik Lindner aus den Niederlanden, Michèle Métail aus Frankreich. Außerdem treten die in Deutschland lebende Japanerin Yoko Tawada und Jáchym Topol aus Tschechien auf (Eintritt frei, Anmeldung unter 22 63 30 30).

Nur einen Steinwurf vom Brandenburger Tor entfernt, in der Hannoverschen Straße, befand sich der Arbeitsplatz von Hans Otto Bräutigam, der in den achtziger Jahren der Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in der DDR war. Seine mit Anekdoten angereicherten Memoiren berichten vom zähen Ringen um das deutsch-deutsche Verhältnis. Kurz nach der Gründung der Vertretung begegnete ihm auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof Wolf Biermann. „Ah, der Klassenfeind“, rief Biermann und kam mit ausgebreiteten Armen auf ihn zu. Bräutigam liest am Donnerstag im Renaissance-Theater (Knesebeckstraße 100, um 20 Uhr).

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