SCHREIB Waren : Das geheime Leben der Zahlen

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Was ist denn nun wieder los? Gerade hatte man sich mit der ersatzlosen Streichung des Sommers abgefunden und ließ den inneren Heizpilz glimmen, um abends auf dem Balkon nicht festzufrieren. Die Freibäder verwaisten, frühherbstliche Melancholie machte sich breit. Und nun das: Sonne! Hitze! Raus ins Freie! Da muss schnell eine entsprechend luftige, sommerliche Lektüre her. Hier bietet sich der Krimi an, ist dieser doch ein literarischer Allrounder, der sich jeder klimatischen Bedingung anpasst. In der Buchhandlung Totsicher (Winsstr. 16) liest am Dienstag um 20 Uhr Zoë Beck aus „Der frühe Tod“, in der eine Pressesprecherin des Mordes an ihrem Exmann verdächtigt wird.

Am Mittwoch ist dann der amerikanische Autor und „Generation X“-Erfinder Douglas Coupland um 20 Uhr zu Gast im Postbahnhof (Straße der Pariser Kommune 8). Coupland hat zwei Novitäten im Reisegepäck: seine Biografie über den Medientheoretiker Marshall McLuhan, der die Erkenntnis „the medium is the message“ formulierte; und seinen Roman „JPod“ über sechs Computerspieleerfinder, die in einer Softwarefirma ihr chaotisches Dasein fristen. Die von ihnen entworfenen, ohnehin schon idiotischen Spiele müssen auf Druck der Marketingleute noch idiotischer werden: Hier assoziieren wir Adornos und Horkheimers finstere Prognosen zur Unterhaltungsindustrie als Verblödungsmaschinerie. Die Lesung findet auf Englisch und Deutsch statt, letztere bewerkstelligt Trystan Pütter.

Dass Computerspiele wie überhaupt unsere hochkomplexe digitale Welt letztlich auf den Zahlen 0 und 1, dem Binärcode basieren, ist eigentlich irritierend. Denn Zahlen sind viel rätselhafter als ihr unschuldiges Auftreten vermuten lässt: Warum werden Blumen in ungerader Anzahl verschenkt, warum fehlt in Lufthansa-Maschinen immer die 17. Sitzreihe? Antwort auf diese und andere Fragen versprechen Holm Friebe und Philipp Albers am Montag um 20 Uhr im Radialsystem (Holzmarktstr. 33), wenn sie ihr neues Buch „Was Sie schon immer über 6 wissen wollen“ vorstellen. Danach sollte unser aller Alltag zumindest in zahlentheoretischer Hinsicht einfacher werden. Bis dahin schließen wir mit der Erkenntnis: The Wetter is the Message. Alles klar?

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