SCHREIB Waren : Ein Frosch springt in den Weiher

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Krise! Schulden! Euro! Toooor! Krise! Schulden! Eu… Stopp! Diese Woche wird radikal entschleunigt. Wir atmen tief durch, rufen Om und lesen: „Der alte Weiher:/Ein Frosch springt hinein./Oh! Das Geräusch des Wassers.“ So lautet eins der berühmtesten Haikus von Matsuo Basho, dem Großmeister der japanischen Gedichtform, die nur aus drei Zeilen besteht. Sie entstand vor rund 600 Jahren. Unter dem Titel „Die Welt in drei Zeilen. Haikus hier und heute“ haben nun Rainer Stolz und Udo Wenzel eine Sammlung deutschsprachiger Haiku-Dichtung aus dem 21. Jahrhundert herausgebracht, aus der am Samstag professionelle Sprecherinnen und Sprecher rezitieren (19.30 Uhr, Lettrétage, Methfesselstr. 23-25). Dazu werden Illustrationen von Martina Wember an die Wand projiziert.

Der Plan: Auf die Haikus folgt jeweils eine improvisierte Musik, am Ende sprechen Herausgeber, Autoren und Publikum miteinander. Die Interpretation können Sie beim Haikus getrost vergessen. Diese, so der Literaturtheoretiker Roland Barthes, „können den Haiku nur verfehlen, denn die Lesearbeit, die mit ihm verbunden ist, liegt darin, die Sprache in der Schwebe zu halten, und nicht darin, sie zu provozieren: ein Unterfangen, dessen Schwierigkeit und Notwendigkeit gerade der Meister des Haikus, Basho, wohl gekannt zu haben scheint: Wie bewundernswert ist doch/Wer nicht denkt: ‚Das Leben ist vergänglich’,/Wenn er einen Blitz sieht.“

Diese schöne Einsicht gilt es im Kopf zu behalten, wenn wir Ror Wolfs neuem Horrorroman „Die Vorzüge der Dunkelheit“ lauschen, der mit einigen Schrecken aufwartet: Straßen explodieren einfach so, Landschaften wuchern, Tapetentüren klappen auf und zu, Körperteile verschwinden. Der Autor wird nächste Woche 80 Jahre alt: Die Lesung des Romans durch Christian Brückner ist also auch Geburtstagsgruß und Hommage an den Meister der grotesken Komik (Freitag, 20 Uhr, Literaturhaus, Fasanenstr. 23) .

Danach wird’s wieder ruhiger und wir gehen, ach was: entschweben am Johannistag in den Botanischen Garten. Dort leitet Rosemarie Gebauer den literarischen Spaziergang „MärchenBaum: Johanniskerze und Johannisbett. Sagen und Legenden über unsere Bäume und Blumen.“ (Sonntag, 12 Uhr, Botanischer Garten, Treffpunkt: Eingang Königin-Luise-Platz, Königin- Luise-Str. 6) Am Johannistag fanden früher besondere Bräuche und Riten statt: Wer Kräuter brauchte, sammelte sie gerne an diesem Tag, da sie dann eine besonders große Heilkraft versprachen. Nachts wurde gefeiert, getanzt und die häufig aus alten Besen bestehenden Johannisfeuer entzündet. Es galt die bösen Geister abzuwehren. Als die Jenaer Polizei 1814 diesen Brauch verbieten wollte, sah Goethe die Zeit für eine poetische Intervention gekommen: „Johannisfeuer sei unverwehrt,/ die Freude nie verloren!/Besen werden immer stumpf gekehrt/und Jungens immer geboren.“

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