SCHREIB Waren : Erst duschen, dann kleistern

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Dieser Monat hat definitiv ein Image-Problem: „Nun sind die Tage grau wie nie zuvor. Und der November trägt den Trauerflor“, schrieb Erich Kästner und fuhr fort: „Es regnet, Freunde. Und der Rest ist Schweigen. Wer noch nicht starb, dem steht es noch bevor." Wohl wahr. Doch bevor es so weit ist, stürzen wir uns noch mal ordentlich ins Getümmel.

Gelegenheit bietet die Veranstaltungsreihe „Moabit liest“, die in der Langen Buchnacht am Freitag ihren Höhepunkt findet. Wie es unter Kerlen zugeht, kann man um 20 Uhr von Matthias Sachau erfahren, der im Waschsalon (Gotzkowskystr. 11) aus seinem Roman „Kaltduscher: ein Männer-WG-Roman“ liest. Alltagsbeobachtungen aus dem Stadtteil stellt Alexander Soth mit seinen neuen „Moabit-Monologen“ um 20.15 Uhr in der Galerie Nord (Turmstr. 75) vor.

Kaltduschen mag ein viriler Akt sein, vor dem Tode schützt er leider nicht. Passend zum November liegt nun der dritte „Schmidt“-Roman von Louis Begley in deutscher Übersetzung vor, dessen erster Teil mit Jack Nicholson in der Hauptrolle verfilmt wurde. In „Schmidts Einsicht“ ist sich der von allen Schmidtie genannte 78-jährige Finanzanwalt nun bewusst, dass sich sein Leben dem Ende zuneigt. Um so heftiger kämpft er um „Erlösung und Reinigung“ – und mit späten Liebessehnsüchten. Am Donnerstag liest der Autor gemeinsam mit Ingo Hülsmann um 20.15 Uhr im Deutschen Theater (Schumannstr. 13a).

Auch das Kleist-Jahr neigt sich dem Ende zu. Und auch hier wird am Schluss noch mal richtig Gas gegeben. Im Rahmen des vom Maxim Gorki-Theater veranstalteten multimedialen Kleistfestivals führt die Agentur Kriwomasow wochentags von 10 bis 18 Uhr und am Samstag und Sonntag von 9.30 bis 14 Uhr mit dem Audiowalk Kleist in Kundus durch Potsdam. Diese Zeitreise verbindet Kleists militärische Laufbahn und die Geschichte unserer Nachbarstadt, die sich vom Garnisonsstandort zur Militärzentrale entwickelte. Los geht's an der Tourist-Information Potsdam (Brandenburger Str. 3, Tickets unter 0331/27558899 und tourismus-service@potsdam.de).

Am Totensonntag wird es angemessen spooky, denn unter dem Motto "Dead or alive" treten um 20 Uhr in der Volksbühne (Linienstr. 227) die Jetztpoeten gegen den toten Dichter Kleist an. Mit dessen Texten bewaffnet, werfen sich die Schauspieler Inka Löwendorf, Mandy Rudsky, Andreas Frakowiak und Mex Schlüpfer in die Wortschlacht, als Herausforderer treten die Slammer Sebastian23, Theresa Hahl, Julian Heun und Björn Högsdahl an. Versprochen wird ein Literaturwettkampf der Extraklasse. Von wegen melancholischer November!

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