SCHREIB Waren : Es ist, was es ist

Thomas Wegmann

Einer der schlichtesten und gleichzeitig schlüssigsten Romantitel stammt von Johannes Mario Simmel: „Liebe ist nur ein Wort“. Er würdigt ein evolutionsgeschichtlich aufwendiges Manöver: Menschen pflanzen sich nicht einfach nur fort, nein, sie nennen es Liebe, und machen unendlich viele Worte darum. Ohne die Liebe hätte die Staatsbibliothek große Lücken – genau wie der Veranstaltungskalender der kommenden Woche. Am nächsten Montag geht es um 20 Uhr in Britta Gansebohms literarischem Salon (BKA, Mehringdamm 34) um Liebe und Lust. Dann stellen Joachim Scholl und Barbara Sichtermann jene Werke vor, die sie unter dem jugendfreien Titel „50 Klassiker – Erotische Literatur. Sinnliche Zeilen über die Liebeskunst“ versammelt haben. Man weiß nicht, wie viele solcher Sammlungen bereits existieren, aber offenbar wirken sie bei ihrem Erscheinen jedes mal so neu und frisch wie das, wovon sie handeln.

Das Kontrastprogramm veranstaltet am heutigen Dienstag um 20 Uhr die Literaturwerkstatt (Knaackstraße 97). In der Reihe „Wieder entdeckt“ geht es um den Dichter Konrad Weiß (1880 - 1940). Seine Verse kreisen nicht um das Untenherum, sondern um das Oben. Er war Mystiker, ein geistig Liebender, und schrieb nah an der Beschwörung: „Dem alles nur im Geist geschah / Du meinst, die Grenze sei so nah“.

Nur im Geiste geschah zuletzt auch die Liebe zwischen Helmut James und Freya von Moltke – allerdings nicht freiwillig. Im Herbst 1944 wartet der 37 Jahre alte Jurist und Widerständler im Gefängnis Berlin Tegel auf seinen Prozess und seine Hinrichtung. Fast täglich wechselt er mit seiner Frau Briefe, die vom Gefängnispfarrer an der Zensur vorbeigeschmuggelt werden. Erst kürzlich ediert, bilden sie das eindrückliche Zeugnis einer großen Liebe in Zeiten politischer Barbarei. Am Donnerstag stellt ihr ältester Sohn den Briefwechsel vor, um 20 Uhr in der Buchhandlung Hacker & Presting (Leonhardtstraße 22). „Ich werde alt und anders werden, deshalb muss ich Dich in mir tragen und mit Dir leben“, schrieb Freya. Am Ende sind nur Worte. Die aber bleiben.

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