SCHREIB Waren : Fluch der Herkunft

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„Er war homosexuell. Er war süchtig. Er war der Sohn Thomas Manns. Also war er dreifach geschlagen.“ Die Rede ist von Klaus Mann, die Charakteristik stammt von Marcel Reich-Ranicki. Das Verhältnis des Sohnes zu seinem Vater war zeitlebens ambivalent, seine Herkunft bezeichnete er als „bitterste Problematik meines Lebens“. Klaus Mann, der 1933 zunächst nach Frankreich, dann über verschiedene Stationen in die USA emigriert war, erlebte die Anerkennung seines Werkes nicht mehr. Der Autor, der gemeinsam mit seiner Schwester Erika im Kabarett Die Pfeffermühle gegen den Nationalsozialismus angespielt und eine Exilzeitung herausgegeben hatte, der ein weitgefasstes Œuvre aus Theaterstücken, Romanen und Essays hinterließ, hatte sich 1949 in Cannes mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben genommen.

Erst in den achtziger Jahren setzte mit der Neuausgabe seines Romans „Mephisto“ eine breitenwirksame Rezeption ein. Um diese weiter zu befördern, hat sich die Klaus Mann Initiative Berlin gegründet, die am Samstag zu einem Konzert für Klaus Mann in die Buchhandlung Der Zauberberg (18 Uhr, Bundesallee 133, Anm. u. Tel.: 56 73 90 91 o. info@der-zauberberg.eu) lädt. Es geht um das Thema „Musik und Musiker“ in dessen Dichtung und Tagebüchern, das Fredric Kroll, musikalisch aufarbeitet.

Wo wir schon bei problematischen Eltern-Kind-Beziehungen sind, scheint im Vorfeld ein Abend mit dem knuffeligen und superrelaxten Dänen Jesper Juul geboten. Diesen Shootingstar unter den Familientherapeuten möchte man direkt klonen, um allen gestressten Eltern ein Exemplar an die Seite zu stellen. Das würde dann sagen: „Ihr müsst euren Kindern kein schmerz- und risikofreies Leben bieten. Ihr dürft Fehler machen. Interessiert euch für eure Kinder – aber beschäftigt euch nicht pausenlos mit ihnen. Lasst ihnen Luft zum Atmen, sonst werden sie nicht selbstständig.“ Mehr entspannende Tipps zum Umgang mit dem Nachwuchs gibt’s am Dienstag, wenn Juul sein Buch „Wem gehören unsere Kinder? Dem Staat, den Eltern oder sich selbst?“ im Babylon Mitte vorstellt (20 Uhr, Rosa-Luxemburg-Str. 30).

„Empathie ist die härteste Währung“, auch das sagte Juul jüngst in einem Interview – und meinte dies nicht nur pädagogisch, sondern mit Blick auf das eurokrisenschuldengeplagte Griechenland auch politisch. Einüben kann man diese schöne Haltung am Sonntag, wenn die Schauspielerin Eva Mattes fordert „Werft eure Herzen über alle Grenzen“. Die „Tatort“-Kommissarin unternimmt im Schlossparktheater einen literarisch-musikalischen Streifzug quer durch Europa und durch die Zeiten. Am Klavier begleitet von Irmgard Schleier singt sie altfranzösische, süditalienische und deutsche Volksweisen und rezitiert Gedichte von Shakespeare, Heinrich Heine, Pablo Neruda und Peter Rühmkorf (16 Uhr, Schlossstr. 48 ).

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