SCHREIB Waren : Gottesliebe und SM-Spiele

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„Die Religion hat der Liebe einen großen Dienst erwiesen, indem sie sie zur Sünde erklärte.“ Niemand brachte das Verhältnis von Gottesliebe und Erotik so ironisch auf den Punkt wie der Dichter Anatole France. Carl Pacher, Protagonist des Romans „Wir in Kahlenbeck“, ist als 15-jähriger Schüler eines katholischen Jungeninternats naturgemäß nicht so abgeklärt. Im Gegenteil: Er ist zerrissen zwischen dem Wunsch, den religiösen Anforderungen zu genügen und seinen ebenso heftigen Liebessehnsüchten. Christoph Peters zeigt das Collegium Gregorianum Kahlenbeck als strenge und lebensfeindliche Institution und setzt damit die Tradition berühmter Internatsromane fort. Anders als seine Vorgänger beschreibt er das Leben seines gebeutelten Helden allerdings auch in seinen komisch-absurden Aspekten. Dass das Fegefeuer der Triebe und die Liebe zu Gott trotzdem gleichermaßen ernst genommen werden, macht die Qualität dieses Romans aus. An diesem Dienstag stellt er den für den Deutschen Buchpreis nominierten Roman im Gespräch mit Tagesspiegel-Literaturredakteur Gregor Dotzauer vor, im Georg Büchner Buchladen am Kollwitzplatz (Wörther Str. 16, 20 Uhr).

Die Liebe von ihrer quälenden Seite erlebt auch Sven, Held des neuen Romans „Nullzeit“ von Juli Zeh. Um seine Ruhe zu haben, ist er wortwörtlich abgetaucht: Er hat Deutschland verlassen und arbeitet nun als Tauchlehrer auf Lanzarote. Mit dem Seelenfrieden ist es vorbei, als ein Pärchen auftaucht und Sven in seine eigenwilligen SM-Spielchen verstrickt. Verstrickt wird auch der Leser, der nicht so recht weiß, wem er was glauben soll. Die Buchpremiere findet am Freitag in der Kulturbrauerei statt (Knaackstr. 97, 20 Uhr). Wir resümieren mit Arthur Schopenhauer: „Der Glaube ist wie die Liebe: Er lässt sich nicht erzwingen.“

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