SCHREIB Waren : Höllenhunde, Himmelsgärtner

Elke Bruens

Schriftsteller haben viele natürliche Feinde: „Der Kritiker ist ein Wegelagerer auf dem Weg zum Ruhm“, befand Robert Burns schon im 18. Jahrhundert. Gelegentlich lauern aber auch Lektoren im Unterholz der Sprache und verschlimmbessern Texte. Prominentes Beispiel: Hans Falladas Roman Jeder stirbt für sich allein, der bislang nur in der vom Lektor geglätteten Version vorlag. Nachdem er in den letzten Monaten in Großbritannien und den USA zum Bestseller avancierte, hat nun der Aufbau-Verlag die ungekürzte Fassung veröffentlicht. Am Dienstag liest Otto Sander um 20.30 Uhr im Buchhändlerkeller (Carmerstr. 1) aus der literarischen Wiederentdeckung des Jahres.

Auch Alfred Döblin musste die Konjunkturen des Schriftstellerruhms erfahren. Als Dramatiker sei er der „banale grande“ befand seinerzeit der Kritiker Alfred Kerr. Die Prosa ließ er gnädig gelten. Am Donnerstag spricht Peter Jelavich um 20 Uhr in der Akademie der Künste (Pariser Platz 4) über „Maschinenmenschen“ und „Mediale Massenbildung bei Alfred Döblin". Ebenfalls not amused reagierte die Kritikerzunft, als Ingeborg Bachmann ihren ersten Roman „Malina“ veröffentlichte. Von der Autorin als „geistige Autobiografie“ bezeichnet, gilt das Buch heute als Klassiker nicht nur des Feminismus, die Forschung füllt Regalmeter in den Bibliotheken. Am Samstag um 20 Uhr liest Blanche Kommerell im Literaturhaus (Fasanenstr. 23) Gedichte und Prosa der österreichischen Schriftstellerin.

„Das Paradies habe ich mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt“, schwärmte Jorge Luis Borges. Gelegenheit, diese himmlischen Buchgärten zu besuchen, bietet die Lange Nacht der Bibliotheken am morgigen Mittwoch. In der Bibliothek der Germanistik und Skandinavistik der Humboldt-Universität (Dorotheenstr. 24, Eingang: Hegelplatz) liest um 20 Uhr Sara Blædel, die sich allerdings keine Sorgen um ihren Ruhm machen muss, da sie zu den beliebtesten dänischen Krimiautoren zählt. Einen runden Abschluss bietet der Science Slam, der um 21 Uhr in den Universitätsbibliotheken der TU und UdK (Fasanenstr. 88/Volkswagen-Haus) startet: Jeder Forscher hat zehn Minuten Zeit, um sein Thema flott, verständlich und fremdwörterfrei zu präsentieren. In der Tat: paradiesische Zustände!

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