SCHREIB Waren : Lustpumpen und Komfortzonen

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Die Geschlechterverhältnisse geben weiterhin Rätsel auf. „Was will das Weib?“, fragte Sigmund Freud am Ende seines Lebens ratlos. „Wollen Sie mehr über die Weiblichkeit wissen“, riet er 1933, „so befragen Sie ihre eigenen Lebenserfahrungen oder Sie wenden sich an die Dichter, oder Sie warten, bis die Wissenschaft Ihnen tiefere und besser zusammenhängende Auskünfte geben kann“. Offenbar haben alle miteinander das Rätsel immer noch nicht gelöst, denn ein knappes Jahrhundert später ist auch Bascha Mika irritiert: „Was ist nur los mit uns Frauen?“ Ihre These, dass Frauen sich schön bequem in der Komfortzone überkommener Rollenbilder eingemuckelt hätten und deshalb an ihrer Benachteiligung selbst schuld seien, fand indes nicht nur Zustimmung. Wer mit der ehemaligen „taz“-Chefredakteurin und jetzigen Honorarprofessorin an der Universität der Künste Berlin über ihr Buch „Die Feigheit der Frauen“ diskutieren möchte, finde sich am Dienstag um 20 Uhr im Georg Büchner Buchladen am Kollwitzplatz (Wörtherstr. 16) ein.

Und noch ein Problemfeld tut sich diese Woche auf: Was macht eine gute Schule aus? Alljährlich kann man verzweifelte Eltern erleben, die ihren Nachwuchs in der richtigen Schule unterbringen wollen – nur, welche ist das? Darüber kann man sich fachkundig am Donnerstag um 20 Uhr in der Kurt-Tucholsky-Bibliothek (Esmarchstraße 18) informieren: Christian Füller, Verfasser des Buches „Die gute Schule“, liest und spricht über das Bildungs- und Schulwesen.

Überhaupt scheint die ganze Woche unter keinem guten Stern zu stehen. Am Montag um 20 Uhr belegt Volker Surmann im BKA-Theater (Mehringdamm 34) in einer Leseshow die traurige These „Sex – von Spaß war nie die Rede“: Unter diesem Titel hat Suhrmann ein erschütterndes literarisches Dokument herausgegeben, das zeigt, was im Erotischen so alles schieflaufen kann. Dieses Mal berichten der Kabarettist Nils Heinrich, die Autorin Kirsten Fuchs und der Surfpoet Ahne über die Abgründe des Sexuellen.

Und damit noch einmal zurück zu Freud. Er sei in letzter Zeit mit „der Darstellung des sexuellen Aktes beschäftigt gewesen“, schrieb er 1895 an seinen Freund Fließ. Dabei habe er die „Lustpumpe und andere Curiosa entdeckt“. Über diese interessanten Befunde schwieg er sich aber leider aus. Da bleibt uns wirklich nur die Sublimierung. Überschüssige Libido kann man ja bis zur endgültigen Klärung der Geschlechterverhältnisse in die Suche nach einer guten Schule stecken.

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