SCHREIB Waren : Schöne neue Abenteuerwelt

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Dass der 94-jährige Stéphane Hessel ein kultivierter und überaus zuvorkommender Mensch ist, der als junger Mensch das Konzentrationslager Buchenwald überlebte und sich über Jahrzehnte als Diplomat und bei den Vereinten Nationen für Menschenrechte einsetzte, dürfte aus den zahlreichen Porträts anlässlich seines Bestsellererfolgs „Empört euch!“ bekannt sein. Bemerkenswert ist aber auch Hessels Liebe zur Poesie.Und die Tatsache, dass das Leben seiner Eltern die Vorlage für den Truffaut-Film „Jules und Jim“ abgab. Manfred Flügge, der schon ein Buch hierüber schrieb, kennt Hessel seit 30 Jahren und hat jetzt die erste Biografie über ihn verfasst. In „Stéphane Hessel, ein glücklicher Rebell“ stellt Flügge Leben und geistige Welt Hessels vor und erzählt, wie er nur dank eines Identitätstauschs den Nazi-Terror überlebte. Am heutigen Dienstag ehrt das Gorki-Theater unter dem Titel „Gedicht und Gedächtnis“ Stéphane Hessel, der dafür nach Berlin kommt (19.30 Uhr, Am Festungsgraben 2).

Seit der Veröffentlichung des Jahrzehnte umfassenden Epos „C.“ vor einigen Jahren gilt Tom McCarthy als Star der britischen Literaturszene. Jetzt ist das Buch unter dem Titel „K“ auf Deutsch erschienen. „K“ steht dabei nicht nur für die Hauptfigur Serge Karrefax, sondern auch für Kommunikation, Krieg, Kokain oder Krypta. Karrefax, Sohn eines Erfinders, wird mit einer sogenannten Glückshaube geboren, was ihm eine außergewöhnliche Zukunft verspricht. Tatsächlich verläuft sein Leben recht abenteuerlich und spiegelt all die technischen Errungenschaften und Großereignisse des beginnenden 20. Jahrhunderts. Begeistert von der Funktechnologie, verbringt der junge Serge die Zeit mit der Suche nach Signalen im Äther, später, im Ersten Weltkrieg, fliegt er als Funker kokainberauscht über Schlachtfelder, um nach ausschweifenden Jahren im London der 20er Jahre schließlich in Ägypten den Bau von Sendemasten zu kontrollieren. McCarthy, der eine eher satirisch zu verstehende „Necronautical Society“ unterhält, ließ sich für den Roman übrigens von dem Comic „Tim und Struppi“ inspirieren (Roter Salon der Volksbühne, 15. 3., 20 Uhr, Rosa-Luxemburg-Platz).

Kurz bevor es auf die Leipziger Buchmesse geht, wo am 15. März die Gewinner des Buchpreises bekannt gegeben werden, liest der Nominierte Thomas von Steinaecker heute um 20 Uhr im Literarischen Colloquium (Am Sandwerder 5) aus seinem Roman „Das Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing zu träumen“. Die Versicherungsagentin Renate Meißner gerät auf abenteuerliche Weise nach Russland in eine Vergnügungsparkwelt, die – laut Ankündigung – „an Batman-Szenarien, pynchoneske Raum- und Zeitreisen, Lewis Carrol, René Magritte und an ins Groteske gedrehte Film-noirKonstellationen“ erinnert.

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