SCHREIB Waren : Sture Schnecken, starke Schwestern

von

Er schwadroniert und schwadroniert. Ohne Punkt, aber mit viel Komma: Zerbrochenes Glas, Stammgast der Bar „Angeschrieben wird nicht“, der vom Wirt Sture Schnecke beauftragt ist, die Geschichte dieses Etablissements aufzuschreiben. Denn der Wirt der heruntergekommenen Kneipe in Brazzaville „kann Binsenweisheiten von der Art – wenn in Afrika ein Greis stirbt, verbrennt eine Bibliothek – nicht leiden, und wenn er dieses ausgelatschte Klischee hört, wird er mehr als sauer und schießt sofort zurück, ,hängt doch ganz davon ab, welcher Greis, also hört auf mit dem Stuss, ich trau nur dem, was schwarz auf weiß dasteht’“. Alain Mabanckou, im Kongo geborener und heute in Paris und Los Angeles lebender Autor, mokiert sich in seinem Roman „Zerbrochenes Glas“ über das berühmte Diktum des malischen Schriftstellers Hampâté Bâ aus den sechziger Jahren. Doch garantiert Verschriftlichung Wahrheit, ist dem fulminanten Parlando zu trauen? Genau zuhören also bei der französisch-deutschen Lesung am Freitag um 19 Uhr im Institut Français (Kurfürstendamm 211)!

Sture Schneckes Schwestern im Geiste sind Inci Bürhaniye und Selma Wels. Die Verlegerinnen des Binooki Verlags schreiben auf ihrer Homepage: „Klischees sind uns zu blöd, die über die Döner-Türken und die über die farblosen Deutschen auch. Wir haben Binooki 2011 in Berlin gegründet, um türkische Gegenwartsliteratur auf Deutsch zu verlegen und damit die Kulturen unserer beiden Heimaten zu verbinden.“ Dafür werden sie dieses Jahr mit dem Kurt-Wolff-Förderpreis ausgezeichnet. Die beiden „sich meist liebenden Schwestern“ stellen am Dienstag ihre jüngste Kollektion vor und sprechen mit Erhard Schütz im Literaturforum über ihren interkulturellen Literaturtransfer (20 Uhr, Chausseestr. 125).

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben