SCHREIB Waren : Von Gruppen und anderem Grusel

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Sie ist legendär und mythenumwoben: Die von Hans Werner Richter 1947 ins Leben gerufene Schriftstellervereinigung Gruppe 47 hat den Literaturbetrieb und die bundesdeutsche Öffentlichkeit zwei Jahrzehnte lang entscheidend mitbestimmt. Autoren wie Paul Celan, Ingeborg Bachmann und Günter Grass trugen hier ihre Texte vor, die dann gemeinschaftlich kritisiert wurden. Das blieb allerdings selbst auch nicht ohne Kritik: 1966 bezichtigte Peter Handke die Kollegen der „Beschreibungsimpotenz“, 1967 wurden die in einer fränkischen Pulvermühle Tagenden von linken Studenten als „Papiertiger“ verspottet. Als Literatur- und Kulturgeschichte ist sie indes weiterhin Forschungsgebiet: Gerade sind die Tagebücher Hans Werner Richters erschienen, nun legt auch der Literaturkritiker Helmut Böttiger seine umfassende Geschichte Die Gruppe 47 vor, die er auf der Grundlage bisher unbekannter Dokumente geschrieben hat. Die Buchpräsentation findet am Donnerstag statt; Sibylle Lewitscharoff, Mitinitiatorin des seit 2010 stattfindenden Schriftstellertreffens „Hamburger Begegnung“, führt in das Thema ein und diskutiert mit dem Autor (20 Uhr, Akademie der Künste, Pariser Platz 4).

An gemeinschaftlichen Auftritten von Autoren fehlt es auch diese Woche nicht. Neben der Lesebühne der Brauseboys am Donnerstag (20.30 Uhr, La Luz, Oudenarder Str, 16-20) treten am Freitag auch die Preisträger des Bundeswettbewerbs Treffen Junger Autoren auf, die die Jury aus 736 Bewerbungen ausgewählt hat. Bewerben konnten sich Kinder und Jugendliche von 11 bis 20 Jahren (19 Uhr, Haus der Berliner Festspiele, Schaperstr. 24).

Das ist altersmäßig auch die Kernzielgruppe von Cornelia Funke – obwohl die Romane der zur Zeit weltweit wohl bekanntesten deutschen Autorin auch Erwachsene erreichen. Am Samstag stellt sie den zweiten Band ihrer Reckless-Reihe vor, in denen sie Motive der Brüder Grimm verarbeitet hat. Die Story: Die Brüder Jacob und Will (!) sind aus dem heutigen New York in eine Parallelwelt gelangt, in der es finster zugeht. Es herrscht ein Dauerkrieg zwischen den Menschen und den Goyl. Letztere sehen zwar menschenähnlich aus, ihre Haut und Herzen sind aber aus Stein. Im ersten Band Steinernes Fleisch konnte Jacob seinen Bruder retten – allerdings um den Preis, selbst nur noch ein Jahr leben zu dürfen. Natürlich gibt es im Nachfolger Lebendige Schatten wieder etliche Kämpfe auszufechten. Und dann leben sie glücklich bis ans Ende ihres Lebens – oder braucht es dazu noch eine Fortsetzung? Das wird hier nicht verraten. Da aber Funke den aktuellen Band in Zusammenarbeit mit Lionel Wigram, dem Produzenten der „Harry Potter“-Filmreihe entwickelt hat, darf man davon ausgehen, dass eine Verfilmung nicht auf sich warten lassen wird (15.30 Uhr, Renaissance Theater, Knesebeckstr. 100).

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