SCHREIB Waren : Wem gehört mein Ich?

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Bertolt Brecht würde heute vermutlich die Piratenpartei wählen. In Fragen des geistigen Eigentums habe er ein „laxe Haltung“, bekannte er freimütig. Dass die Veranstaltung „Geist & Eigentum. Zum Urheberrecht“ im Literaturforum des Brecht-Hauses stattfindet, passt also gut. Auch in der aktuellen Urheberrechtsdebatte geht es um das geistige Eigentum, gilt dieses doch im Internetzeitalter als gefährdet: Ein Klick – und schon ist alles heruntergeladen oder kopiert: und zwar ohne zu zahlen. Ist das nun tendenziell kriminell oder muss der Begriff des geistigen Eigentums hinterfragt werden, der eine „bedrohliche Tendenz zur Ausdehnung“ hat, wie die Veranstalter mutmaßen? Sind die Konflikte um das Urheberrecht Ausdruck eines Freiheitskampfs? All das wird an diesem Dienstag mit dem Schriftsteller und Verleger André Thiele erörtert (20 Uhr, Chausseestr. 125).

Ewig haben Literaturwissenschaftler darauf gepocht, dass der Autor und der literarische Held schön auseinanderzuhalten seien – und nun das! Vermehrt sind in jüngster Zeit Texte erschienen, in denen Schriftsteller die Grenze zwischen Werk und Leben unterminieren, indem sie sich selbst in den Text hineinschreiben. Das Problem: Die Autoren verwenden Textsignale, die anzeigen, dass alles fiktional ist, und gleichzeitig solche, die auf die autobiografische Natur der Fiktion verweisen. In Frankreich gibt es diesen literarischen Trend schon länger (zuletzt etwa Houellebecqs „Karte und Gebiet“), auch in der deutschsprachigen Literatur lässt er sich zunehmend beobachten. Grund genug für den Workshop am Freitag, „Auto(r)fiktion“ (ab 9.30 Uhr). Um 20 Uhr liest und diskutiert Hans-Ulrich Treichel, der mit „Anatolin“ bereits 2008 einen solchen Roman geschrieben hat (Literaturforum, Chausseestr. 125).

Zum Glück geht manches im literarischen Feld aber auch ganz einfach. Die Schriftstellerin Tanja Dückers hat eine Benefizlesung zugunsten der Obdachlosenhilfe die Brücke e.V. organisiert. In der Kulturbrauerei lesen Clemens Meyer, Christiane Neudecker, Jan Peter Bremer, Sybil Volks, Judith Hermann, Ralf Bönt, Inka Parei, Elke Schmitter, Steffen Popp und Annett Gröschner (20 Uhr, Schönhauser Allee 36). Sind damit zumindest einige Probleme gelöst? Wir meinen mit Brecht: „Verehrtes Publikum, los, such dir selbst den Schluss! / Es muss ein guter da sein, muss, muss, muss!“

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