SCHREIB Waren : Wer nicht sucht, der findet

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Die literarische Woche fängt an diesem Dienstag lustig an: Constanze Behrends, Gründerin und Chefin des Prime Time Theater (Müllerstr.163) stellt dort um 20.15 Uhr „Kiffer-Barbie – Das Beste aus meinem Leben“ vor. Wann hat sie das Buch bloß geschrieben? Behrends verfasst nicht nur monatlich eine neue Folge der Theatersoap „Gutes Wedding, schlechtes Wedding“, sondern spielt darin auch ungefähr zehn verschiedene Figuren. Antwort: „Kiffer-Barbie“ entstand während ihrer Schwangerschaft. Wer hier den Joint glimmen sieht, irrt: Behrends’ bester Freund nenne sie so, denn sie vereine die Maße einer Barbie-Puppe mit dem chaotischen Innenleben eines Kettenkiffers. Das kann nur eine produktive Selbstverkennung sein, denn die Mischung aus erlebten und fiktiven Geschichten zeigt eine scharfe Beobachtungsgabe für Stadtneurotiker zwischen Castingallee und Pommesbude, gepaart mit untrüglichem Sinn für das Absurde des Alltags.

Während Behrends hochhackig die Stadt durcheilt, schildert David Wagner sie in „Welche Farbe hat Berlin?“ aus der Sicht des schlendernden Flaneurs. Dabei beschreibt er die Veränderung von Orten wie der Rostlaube, die nach der Renovierung geradezu „erleuchtet“ wirke. Gern interpretiert er auch City-Toiletten, Haltestellen und Taxirufsäulen als urbane Zeichenlandschaft. Sein Buch liest sich als autobiografisch inspirierte Stadtgeschichte. Aber Wagner hat auch Rat parat: Sollte Berlin doch noch reich und unsexy werden, könne man die jetzt boomenden Youth Hostels problemlos zu Alterssitzen umfunktionieren. Der Autor liest am am Mittwoch um 20 Uhr im HBC (Karl-Liebknecht-Str. 9).

Aus seiner Stadt heraus bewegt sich Alen, Held des Romans „Der Mond ist unsere Sonne“ von Nuran David Calis. Von der Freundin verlassen, wirft der Türsteher den Job in einer Bielefelder Disco hin, um in Armenien nach einem vergrabenen Familienschatz zu suchen. Auch der Autor, Sohn armenisch-jüdischer Einwanderer, scheint auf biografische Erfahrungen zurückgegriffen zu haben, Calis arbeitete als Türsteher in Bielefeld, bevor er sich als Theater- und Filmregisseur einen Namen machte. Die Lesung ist am Donnerstag um 20 in der Buchhandlung Herschel (Anklamer Str. 38).

Keinen Schatz, aber immerhin ein Preisgeld gibt es am Wochenende zu gewinnen: Am Samstag ab 14 Uhr und am Sonntag ab 12 Uhr wetteifern zweiundzwanzig handverlesene Autoren beim Open Mike, dem Internationalen Wettbewerb junger deutschsprachiger Prosa und Lyrik, um die Gunst der Jury und des Publikums. Die Liste der Preisträger seit 1993 zeigt: Wer die literarischen Berühmtheiten von morgen kennenlernen will, begebe sich in die Wabe (Danziger Str.101). Hochhackig oder schlendernd, ganz wie’s beliebt.

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