Kultur : Schreibwaren

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Jörg Plath über Winnetou und

den Kempowski Westafrikas

Auf den BerlinBrandenburgischen Buchwochen stellen Autoren Bücher vor, die ihr Leben beeinflusst haben. Das unvergessene Pixi-Buch? Nein, Inge Feltrinelli und Klaus Wagenbach nannten bei der Eröffnung Ernest Hemingway, William Faulkner und andere Rowohlt Rotationsromane. (Falls sich jemand dafür interessiert: Mein erstes Buch hieß „Winnetou I“ und stachelte meinen Sammelehrgeiz an: 74 Bände Karl May besaß ich schließlich.)

In den Buchwochen liest Ahmadou Kourouma. 1927 an der Elfenbeinküste geboren und dorthin nach 20 Jahren Exil wieder zurückgekehrt, rettet er in seinen Romanen mündliche Erzähltraditionen in die Schrift hinüber und treibt die Afrikanisierung des Französischen voran. In „Allah muss nicht gerecht sein“ (Knaus) schildert er die ungeheuerlichen Erlebnisse Birahimas, den Rebellen gefangen nehmen und als Kindersoldaten missbrauchen (Haus der Kulturen der Welt, 22.10., 19 Uhr). Was Kourouma für Westafrika leistet, tat Walter Kempowski für Deutschland. Ihn und seine mehr als 30 Bücher von „Tadellöser & Wolff“ bis zu „Echolot“ muss ich nicht vorstellen (Literarisches Colloquium, 22.10., 20 Uhr).

Am heutigen Dienstag beginnt das Literaturprogramm der kroatischen Kulturwochen (Info: 2474 97 55). Die Organisatoren lassen verdienstvollerweise nicht Slavenka Drakulic, sondern hierzulande wenig bekannte Autoren auftreten. Die ältere Generation ist mit Nedjeljko Fabrio (Kroatische Botschaft, 22.10.) und Cedo Prica Plitvicki (Literaturhaus, 27.10.) vertreten. Die Jüngeren, in deren Werk der Krieg als Verheerung oder als Leerstelle präsent ist, lesen im Podewil: der groteske Zoran Feric (23.10.), die Dramatikerinnen Zorica Radakovic und Ivana Sajko (24.10.), der Meister der kleinen Form Miljenko Jargovic (25.10.) und der Literaturexpress-Teilnehmer Jurica Pavicic (26.10., alle Termine 20 Uhr).

Zurück nach Deutschland: Im Buchhändlerkeller stellt Ulrich Woelk einen Krimi vor (24.10., 21 Uhr): Ein ehemaliges RAF-Mitglied wird ermordet. Der vierzigjährige Kriminalbeamte Anton Glauberg und die zehn Jahre jüngere, in der DDR aufgewachsene Paula Reinhardt vom BKA nehmen die Suche nach dem Täter auf. „Die letzte Vorstellung“ ist ein spannender deutsch-deutscher Krimi.

Auch Markus Orths deckt in seinem ersten Roman die Vergangenheit eines Körpers auf. In „Corpus“ (Schöffling & Co.) erzählt Paul von seinem Jugendfreund Christof, der sich allmählich selbst verlor und Priester wurde. Orths liest im Literarischen Colloquium (23.10., 20 Uhr), in der Evangelischen Buchhandlung (24.10., 20 Uhr) sowie im Buchhändlerkeller (31.10., 21 Uhr).

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