Kultur : Schreibwaren

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Jörg Plath über Heldinnen

von früher und heute

Wenn jeder Teilnehmer einer Fernsehquizshow zum Helden für einen Tag wird, kann auch das Geschäft des Schriftstellers nicht mehr einsam sein. Sie sind unter die Reisenden gegangen und lesen allerorten. Handelt es sich um die Angstblüte einer minoritären Kunstform in Zeiten der Medienkonkurrenz? Über Glanz und Elend des Autors in der Marketinggesellschaft sprechen heute im Literarischen Colloquium die Literaturagentin Karin Graf, die Autoren Ursula Krechel und Jens Sparschuh sowie der Nagel & KimcheVerleger Dirk Vaihinger (20 Uhr).

Wie anders waren die Zeiten, als die Romane noch „Das Herz ist ein einsamer Jäger“ hießen. Mit ihm wurde die 23-jährige Carson McCullers 1940 auf einen Schlag in Amerika bekannt. „Mein Leben folgte einem Muster, an das ich mich immer gehalten habe“, schreibt sie in ihrer „Autobiographie. Illumination and Night Glare“ (Schöffling & Co.): „Arbeit und Liebe“." Von beidem haben sie auch die Schlaganfälle und Lähmungen nicht abhalten können, die sie die letzten Jahre ans Bett fesselten. Dort schrieb sie die Geschichte ihres Lebens auf, aus dem Eva Demski heute abend in der Marga Schoeller Bücherstube liest (20 Uhr).

Robert Gernhardt ist der Wilhelm Busch der Gegen-wart. Bei ihm ist nichts vor lyrischer Behandlung sicher: "Es wollte ein Vogel wohl hoch ins Blau / Er hatte keine Federn / Er hatte keine Flügel / Er wird nicht weit ge-kommen sein." Im Allgemeinen ist Gernhard "Im Glück und anderswo" (S. Fischer), am 7.11. ist er zudem im Buchhändlerkeller (21 Uhr). „Illumination and Night Glare“ wäre auch kein schlechter Titel für Alison Louise Kennedy. Die Schottin lässt ihre Figuren, so absurd, gewalttätig und gierig sie ihr Leben auch führen, nicht ohne einen Hoffnungs-schimmer. In „Alles was du brauchst“ (Wagenbach) möchte die 19-jährige Mary Schriftstellerin werden. Sie reist auf eine Insel, wo neben ihrem Mentor fünf weitere seltsame Schriftsteller wohnen. Der Platz für Mary ist frei geworden, weil einer der Insulaner sich gerade mit der Kreissäge geköpft hat. A. L. Kennedy liest am 10.11. im British Council (11 Uhr, in englischer Sprache) und am 11.11. in der Literaturwerkstatt (20 Uhr). Das Letzte in Kürze: In der Literaturwerkstatt findet der 10. Open Mike statt (9.11., 14 Uhr und 10.11., 13 Uhr).

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