Kultur : Schröder in Wien: Piefkes: Österreichs Blick auf die Deutschen

Paul Kreiner

Wir sind kein zweiter deutscher Staat. Wir waren nie Ableger einer anderen Nation. Wir sind nichts anderes als Österreicher, das aber aus ganzem Herzen und aus jener Leidenschaft, die jedem Bekenntnis zur Nation innewohnen muss." Das klingt sehr klar, sehr einfach - aber es war nie so. Das eher programmatisch als beschreibend gemeinte Zitat erklärt sich aber aus seiner historischen Situation. Gesprochen hat es Leopold Figl, erster gewählter Bundeskanzler des neuen Österreich, in der Eröffnungssitzung des Parlaments. 1945 - in jenem Jahr, in dem Österreich wieder einmal sehr unsanft aus dem deutschen Staatsverbund hinausgeflogen war. Die politische Geschichte des Verhältnisses zu Deutschland ist seither abgeschlossen, die psychologische nicht.

In diesem Jahr diktierten die Alliierten dem "unabhängigen" Österreich vorsichtshalber auch wieder ein Vereinigungsverbot mit Deutschland. Natürlich wollte in Österreich damals niemand mit dem schmutzigen Staat der Nazis etwas zu tun haben. Auch grassiert weiterhin die Unzufriedenheit mit dem eigenen Staatsgebilde, die mit der historischen Kränkung von 1918 begann, sich aus kräftigem Regionalpatriotismus in den Bundesländern speist und wegen der bewusst verschleppten Aufarbeitung der Geschichte durchaus auch mit der dunklen Periode zwischen 1938 und 1945 zu tun hat.

Die Deutschen - das sind vorzugsweise die Hauptkunden des Fremdenverkehrs. Zwar gab es Perioden, da wollte man die Massen der "Piefkes" am liebsten gar nicht sehen. Aber solange der große Kanzler dieser seltsamen Menschen am Wolfgangsee urlaubte, galt das Verhältnis als entspannt.

Seit Februar 2000 ist es vorbei damit. Kohl war nicht mehr Kanzler, und Rot-Grün, so stellt man es in der Wiener Koalition dar, pfiff auf die Völkerfreundschaft. Stattdessen habe Schröder die Sanktionen der 14 EU-Staaten gegen Österreichs ÖVP/FPÖ-Regierung mitinitiiert - wegen des parteiideologisch motivierten Frustes über die SPÖ-Wahlniederlage.

Da wurde es in Österreichs Medien schon als Sensation gefeiert, als "Einpeitscher" Joschka Fischer einmal seinen Regenschirm über die österreichische Amtskollegin Benita Ferrero-Waldner hielt - trotz Sanktionen. Umso mehr galt Fischer als entlarvt, als er nach der Einstellung der Sanktionen im Bundestag meinte, er werde "einen Teufel tun", sich bei Österreich zu entschuldigen.

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