Kultur : Schröders Schnelligkeit: Green Card

M.G.

Vor neun Monaten überraschte der Kanzler auf der Computermesse Cebit im Hannover mit seiner Green-Card-Initiative: "Wir dürfen die derzeitige Aufbruchstimmung nicht verspielen. Wir müssen die Wachstumschancen nutzen", beschwor Schröder die anwesenden Vertreter der High-Tech-Firmen. Darum sei es nötig, Computerfachleute aus Indien und Osteuropa zu holen - und zwar kurzfristig und unbürokratisch. 30 000 dieser Arbeitserlaubnisse für Hochqualifizierte wollte die Regierung ausgeben, um die begehrten Spezialisten für jeweils fünf Jahre ins Land zu holen.

Widerstand kam sofort aus den Gewerkschaften, das Arbeitsministerium brachte allerlei Einwände vor und spielte auf Zeit. Im Sommer waren die Bestimmungen endlich fertig, der Boom ausländischer Antragsteller blieb allerdings aus. "Wir dachten, die rennen uns die Türen ein", wunderten sich die Arbeitsamts-Direktoren. Nichts dergleichen geschah. Das Interesse blieb gering. Bis Ende November lag die Zahl der erteilten Green Cards bundesweit noch deutlich unter 4000. Die meisten gingen nach Bayern. Verschwindend gering ist die Nachfrage vor allem in den ostdeutschen Bundesländern. Trotzdem nannte Schröder seine Green Card kürzlich auf einer Tagung der Deutschen Arbeitgeberverbände "einem vollen Erfolg". Die schleppende Inanspruchnahme zeige lediglich, dass "wir uns in Deutschland erst langsam an solche Neuerungen gewöhnen müssen."

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