Kultur : Schröders Schnelligkeit: Holzmann

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"Liebe Freunde, wir haben es geschafft", verkündete der Bundeskanzler am späten Abend des 24. November 1999 vor der Zentrale des Philipp Holzmann Konzerns in Frankfurt am Main. Es war die bislang größte politische Marktintervention, die Schröder sich geleistet hat. Dem Baukonzern, der fast pleite war, wurde ein Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau von 150 Millionen Mark versprochen und eine Bundesbürgschaft von 100 Millionen Mark. Diese sogenannten Restrukturierungsbeihilfen setzten die Banken unter Druck, weitere Finanzspritzen von 4,3 Milliarden Mark zu bewilliegen. Holzmann saniert Schröder, hieß es damals. Das stimmt bis heute. Denn dem Kanzler hat der Auftritt geholfen, dem Baukonzern nicht. Der neue Vorstandsvorsitzende Konrad Hinrichs hatte noch im Juli ein positives Ergebnis versprochen. Jüngst korrigierte er: Auch im Jahr 2000 bleiben die Zahlen rot. Die EU-Kommission hat die staatlichen Beihilfen immer noch nicht genehmigt. Den Kanzler ärgert das. Die Bundesregierung wirft Wettbewerbskommissar Mario Monti vor, er verschleppe das Verfahren. Monti lässt jetzt von einer Prüfungsgesellschaft die Beihilfen unter die Lupe zu nehmen. Der Wettbewerbkommissar hat immer schon angedeutet, dass er bezweifle, ob Schröders Coup mit dem europäischen Wettbewerbsgedanken vereinbar ist. Derweil wartet Holzmann auf den Kredit, für den längst Bereitstellungszinsen gezahlt werden müssen.

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