Kultur : Schuss für Schuss

Meister der kühlen Abstraktion: atelierfrische Bilder von Imi Knoebel im Projektraum der Berliner Galerie Fahnemann

Carina Villinger

Zwei Bilder sind es nur, die Clemens Fahnemann derzeit in seiner Ausstellung „You are leaving the American Sector“ zeigt. Mehr sind auch gar nicht nötig: Die Strahlkraft von Imi Knoebels großformatigen Gemälden „Revolver I“ und „Revolver II“ leuchtet die beiden Galerieräume bis ins letzte Eckchen aus. Seit den achtziger Jahren ist die konkrete Malerei ein Schwerpunkt in Fahnemanns Programm und seit nunmehr dreizehn Jahren hält er dem ehemaligen Beuys-Schüler Knoebel die Treue. Zum siebten Mal zeigt Fahnemann jetzt Arbeiten des Düsseldorfer Künstlers in Berlin; eine Premiere ist die Schau allerdings für die neuen Galerieräume in der Gipsstraße, die Fahnemann im September letzten Jahres bezog.

Es ist ein Schlaglicht auf das jüngere Werk Imi Knoebels, das die beiden 230 mal 310 Zentimeter messenden Bilder werfen, und dazu noch ein äußerst prägnantes. Entstanden in diesem Jahr, sind die „Revolver“-Gemälde eine Weiterentwicklung von Knoebels Farb- und Formpalette zu neuen Kombinationen. Bei Bildern wie „Lilola“ (2002) verband Knoebel noch einfache Quadrate mit von Latten durchrasterten Flächen. „Revolver I“ und „Revolver II“ dagegen bestehen aus je zwölf quadratischen Rahmen. Gleich einem Fenster geben deren erhabene, überlappende Randstrukturen den Blick auf eine monochrome Fläche im Zentrum frei – ein Ruhepunkt im tosenden Farbsturm. Denn auf den erhöhten Latten treten die Farben in einen Wettstreit, prallen zarteste Grüntöne auf knalliges Gelb und kräftig pulsierendes Rot auf cremiges Rosa und tiefdunkles Blau. Dabei ist Knoebel ganz in seinem Element: Manchmal tastet er sich in seinem Atelier tagelang an den richtigen Farbton heran, experimentiert mit Variationen, bestreicht unermüdlich Papierbogen um Papierbogen, bis er schließlich die perfekte Nuance gefunden hat. Nicht nur das so sorgfältig erzeugte Wechselspiel der Kolorite, auch der Farbauftrag in unterschiedlichen Graden der Transparenz erhöht die Spannung zwischen den bunten Feldern: Durchscheinende Lasuren und opake Schichten wechseln sich ab und verstärken die Raumwirkung von Knoebels Bildskulpturen. Was eben noch vorne schien, tritt in der Wahrnehmung gleich darauf zurück und weicht anderen Elementen. Knoebel ist ein Meister dieses haargenau durchkalkulierten Balanceakts, bei dem nichts dem Zufall überlassen bleibt.

Bei aller kühlen Geometrie von Knoebels Konstruktionen lässt der Auftrag der Acrylfarbe am Werkzeug des Malers keinen Zweifel. Deutlich sind die Pinselstriche auf dem glatten Aluminium zu sehen – ein Zeichen persönlicher Handschrift in der glatten Abstraktion. Ein in sich geschlossenes Werk ist jeder einzelne der zwölf Rahmen, doch erst zusammen betrachtet ergibt die Wucht der konkurrierenden Farbrhythmen eine Art dynamisches Gleichgewicht. Bei so knappem Angebot ist von potenziellen Käufern ebenfalls Dynamik gefordert: Eines der „Revolver“-Bilder zu je 95 000 Euro ist schon an eine deutsche Privatsammlung verkauft, das andere ist reserviert.

Galerie Fahnemann Projekte, Gipsstraße 14, bis 12. Juli; Donnerstag und Freitag 15–18 Uhr, Sonnabend 12–18 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben