Kultur : Schwänzt die Großkonzerte!

Kerstin Grether

findet den Tresen der Rockveteranen Zu den Risiken und Nebenwirkungen der Arznei Rock’n’Roll gehört das vorzeitige Altern. Fünfzig Jahre Rock’n’Roll: Das ist nicht gerade ein Leben auf der Wellness-Farm. Iggy Pop beispielsweise, der Mann, der seit den Sechzigern mit jedem seiner Alben den Rock’n’Roll neu erfand, hatte schon vor Jahrzehnten nur einen Anti-Aging-Tip für seine Fans: Lust for Life! Und so sieht der Altmeister, der mit seiner Band, den Stooges , am kommenden Montag das Kulturforum rocken wird, nun auch aus.

Ansehliche Augenränder, ausgemergelte und knochige Gestalt und fahle Haut sind seine Markenzeichen. Kein Wunder, dass das Event mit einem Foto aus alten Tagen beworben wird. Ebenso der bluesige Avantgarde-Barde David Thomas (vormals Pere Ubu), der Anfang Juli im Quasimodo spielen wird. Keine Frage: die Rockopas feiern ein Comeback nach dem anderen. Was aber tun eigentlich die echten Fans der Alt-Punker, Rocker und Metaller, wenn deren Rockgötter gerade mal nicht in der Stadt sind? Sitzen sie zuhause vorm CD-Regal? Natürlich nicht. Sie sind im Access in der Greifswalder Straße 33 (Prenzlauer Berg). Dort hängt ein Originalplakat von einem Stuttgarter Jimi Hendrix-Konzert von 1969 an der Wand. Hardrocker der letzten Dekaden werden auf der riesigen Videoleinwand recyclet und die Autogrammwand liest sich wie ein Who-is-Who der Metal-Geschichte. Das stilechte DJ-Programm besorgt die Wirt-Legende Pille .

Wer also eine Schnitzeljagd in die Geschichte des Rock’n’Roll unternehmen will, kann die Comeback-Gigs guten Gewissens schwänzen – und im Access dem Exzess frönen. Mit etwas Glück schauen die Stars vielleicht sogar nach ihren Gigs noch im Access vorbei, das auch als Geheimtip für After-Shows gilt. Für ein Autogramm von Iggy würde sich sicher noch ein Plätzchen auf der Tafel finden.

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