Kultur : Schwarze Messe

ROCK

H.P. Daniels

Knallvoll ist das SO 36 , die ehemalige Kreuzberger Punk-Höhle. Schweres Geschiebe Richtung Bühne. Alle wollen ganz dicht ran: an Frank Black . Ein kleiner Dicker im orangen T-Shirt, mit Glatze und Kinnbart will auch nach vorne, kommt kaum mehr durch, legt jedem freundlich die Hand auf die Schulter, an dem er vorbei will. Und schafft es tatsächlich. Bis ganz nach vorne. Dann steht er oben. Auf der Bühne. Haste jesehn? Frank Black, ehemaliger Sänger der legendären Achtzigerjahre-Band The Pixies aus Boston. Inzwischen sieht er aus wie Dirk Bach mit cremfarbener Telecaster. Und da ist auch die Band, The Catholics , mit denen er gerade „Show Me Your Tears“ rausgebracht. Eine solide Rockplatte, eingespielt ohne technischen Schnickschnack live auf Zweispur-Band. Klingt gut. Jetzt stehen sie am vorderen Bühnenrand. Eine Wand. Lärmwand. Drei Gitarren und ein Bass. Dahinter schiebt ein Trommler heftig an: mit Schiebermütze, dicker Brille und gestreifter Krawatte. Wie ein Schieber vergangener Zeiten. Und brettern mächtig. Bretterwand. Betonwand. Höllenlärm. Kaum kann man die einzelnen Stücke unterscheiden, Feinheiten werden von Lautstärke und schlechtem Sound zermatscht. Dabei sind sie auch gut anzuschauen. Vor allem Rich Gilbert, wie er Windmühlenarme über seine rote Gibson SG fliegen läßt, im Cowboyhemd, mit weißen langen Haaren und dicker schwarzer Brille. Zwischendurch Keyboards und Pedal Steel. Frank ist ein guter Sänger. Zwischen wüstem Shouter und gefühlvollem Fistler. Nur bei dem zerlärmten Sound wird das nicht so deutlich. Und dann haben sie tatsächlich zwei Dutzend Stücke gespielt, ohne einmal abzusetzen zwischendrin.

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