Kultur : Schwarzweiß-Malerei

Was ist "Radikale Jüdische Kultur"? Der Doku-Film "Sabbath in Paradise"Seit fünf Jahren gehört der Begriff Radikale Jüdische Kultur zum Vokabular des kulturbeflissenen Weltbürgers.Nur weiß leider längst nicht jeder, der ihn im Munde führt, was genau damit anzufangen ist.Claudia Heuermanns Film "Sabbath In Paradise" soll nun Licht in das Dunkel bringen.Die Regisseurin ging eigens nach New York und befragte Protagonisten jener alternativen jüdischen Musik-Szene wie John Zorn, Anthony Coleman, Marc Ribot und Roy Nathanson, Vertreter traditioneller Spielweisen wie Andy Statman und Michael Alpert oder Mittler zwischen beiden Welten wie Klezmatics-Trompeter Frank London und Klarinettist David Krakauer.Im Grunde wirft die Regisseurin nur eine einzige Frage in den Raum: Was ist jüdische Kultur in New York am Ende des Jahrtausends? Die Befragten kreisen in unterschiedlicher Gangart um die Antwort, ohne jemals zu deren Kern vorzudringen.Eher hat man den Eindruck, einige stellen just während der Dreharbeiten fest, daß sie Teil dieser Szene sind.Anstatt sich überhaupt nur auf die Suche nach einer Antwort zu machen, stellt Marc Ribot seine diversen Gitarren vor, als wären sie enge Freunde.Doch gerade in dieser Art der Annäherung besteht eine genuin jüdische Betrachtungsweise, wie Anthony Coleman lachend feststellt, wenn er von einer talmudischen Art des Fragens ohne die Suche nach Antworten spricht."Sabbath In Paradise" hellt den Problemkreis der jüdischen Kultur und Identität in Amerika auf, allerdings unter zwei Voraussetzungen: Der Zuschauer muß sich bereits ausgiebig mit dem Thema befaßt haben, und er muß die Musiker kennen.Keiner der Mitwirkenden wird vorgestellt und die ausgewählten Musikbeispiele geben mit Ausnahme Andy Statmans keinerlei Aufschluß über Schaffensumfang und Bedeutung der einzelnen.Der Film lebt vom gesprochenen Wort, entwickelt aber keinerlei eigene Schwingungen, die das Denken und Handeln der vorkommenden Personen aus sich selbst heraus plausibel machen würden.Noch unverständlicher ist die Bildsprache.Claudia Heuermann stellt die Vertreter der alternativen jüdischen Szene stets in Farbe dar.Sie symbolisieren das Leben.Sowie sie jedoch nach Brooklyn in die orthodoxen jüdischen Wohngebiete geht, bevorzugt sie Schwarz-Weiß.Sie macht aus dem traditionellen jüdischen Leben eine Freak-Show. W.K. Filmbühne Steinplatz, Hackesche Höfe

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