Kultur : Schwarzweißrot

Im Kino: „V wie Vendetta“ mit Natalie Portman

Sebastian Handke

Eine Revolution ohne Tanz ist keine Revolution, sagt der Maskierte und wirft die Wurlitzer an. Wohlan, möchte man rufen, halte dich daran! Wie konnte sie so steif geraten, die lang erwartete Verfilmung von Alan Moores Comic über einen maskierten Rächer, der im Kampf gegen einen totalitären Zukunftsstaat die Taktiken des Terrors verwendet? „V for Vendetta“ erschien 1981 als Parabel auf die Instrumentalisierung von Angst und die Manipulation durch Bilder, über Staatsfaschismus und Anarchie, Gewaltmittel, ihren heiligenden Zweck und die Überblendung von Privatfehde und Revolution. Nicht nur ins Herz des Feindes wird die Furcht getragen, sondern auch in das des Freundes. Damit ist „V“ noch mehr Terrorist als „Batman“ – als hätte man den dunklen Rächer mit seinem grellen Erzfeind Joker gekreuzt und in Orwells „1984“ ausgesetzt.

Bei aller Enttäuschung über die letzten beiden „Matrix“-Filme: Bei den Wachowski-Brüdern glaubte man diese Geschichte in guten Händen. Im Grunde haben sie auch den richtigen Weg eingeschlagen. Ihr Drehbuch versucht, die ästhetisch strenge Vorlage in den Rhythmus einer grellen Farce à la Kubricks „Clockwork Orange“ zu bringen. Das Ergebnis aber sieht aus wie ein Anfängerwerk. Frei von Atmosphäre und Dringlichkeit; in fernsehkonformer Ausleuchtung; unterbrochen von bleiernen Dialogen und unnötigen Rückblenden. Dazu die verblüffende Unfähigkeit, das London von 2020 zum Leben zu erwecken. Diese Rache sieht richtig billig aus. Die Wachowskis leisten sich Freiheiten gegenüber der Vorlage, Mut zeigen sie keinen.

Das Boshafte und Groteske wurde weitgehend entfernt, der Versuch, den gegen Maggie Thatchers Homophobie gerichteten Stoff auf George W. Bushs Xenophobie umzupolen, kommt über die beiläufig erwähnte Indexierung des Koran durch das „Ministerium für beanstandete Gegenstände“ nicht hinaus. Eine hasenfüßige Aktualisierung. Hugo Weaving als „V“ deklamiert seine Macbeth-Zitate mit säuselnder Grandezza. John Hurt ist abstoßend diktatorisch, Natalie Portman ansprechend rehäugig. „Sind sie so was wie ein Verrückter?“ fragt sie den stets Verhüllten. „Ich bin Musiker“, sagt er dazu.

In der Tat: Musik hätte dieser Film sein müssen – eine wilde Stretta, ein brausendes Pulververschwörungsvarieté. Nun wirkt er, als blieben ihm beim Tanzen die Füße im Schlamm des eigenen Anspruchs stecken. Zwar kann selbst ein untalentierter Regisseur wie James McTeigue den schwarzen Glanz der Story nicht ganz löschen. Aber das Material ist besser als seine Form. Und so bleibt von „V wie Vendetta“, der wie ein Attentat hätte sein können, nicht mehr als ein Stinkbömbchen in Schwarzweißrot.

In 18 Berliner Kinos, OmU im Rollberg

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