Kultur : Schwebeklänge: Das Ensemble Neue Musik mit Werken von Niblock und Kotik

Wer anders als das international gefragte Kammerensemble Neue Musik sollte in Berlin die musikalische Avantgarde repräsentieren? Bricht die Förderstruktur, wie befürchtet wird, 2001 zusammen, sieht es hier düster aus für die Neue Musik. Noch aber spielt das Ensemble. Mit dem Ensemble Resonanz gab man in der Akademie der Künste die deutsche Erstaufführung von Alvin Lucier, Phill Niblock und Petr Kotik.

Niblock hat für "Disseminate" ("Ausstreuen"), assistiert von Ulrich Krieger, die mikrotonalen Cluster seiner Kammer- und Tonbandstücke auf acht Orchesterstimmen übertragen. Im Minutentakt wechseln die in Zwölfteltönen vom Unisono zur Mollterz diffundierenden Harmonien ab und entwickeln reichen, oft schwebenden Klang.

Alvin Lucier ließ sich in "Sweepers" ("Straßen-Kehrer") zu einer weniger disziplinierten Übertragung der Verfahren der Stehenden Wellen und durch langsame Glissandi erzeugten Schwebungen verleiten. Da nähert sich der üppige Orchesterklang mit seinen leittönig wirkenden Glissandi dem Gestus eines Mahler-Adagios. Als rätselhafter Bruch erscheinen Vibraphon-Signale über einer Streicherfläche in der Mitte des Stückes. Als Komposition für sein New Yorker S.E.M. Ensemble schuf Kotik ein süffiges "Adagio", weniger minimalistisch und originell als seine frühen Werke. VOLKER STRAEBEL

Heute, 22 Uhr, Staatsbank, Französische Straße 35: Werke von Phill Niblock.

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