Kultur : Schwebender Mythos

CORDULA DÄUPER

Es ploppt und gluckert, zischt und säuselt.Ein Chor schwarzer Männer und Frauen turnt durch die Welt der Nasal- und Klopflaute.Dabei bewegen sechs andere Menschen ihre Körper.Vier Frauen, zwei Männer in tunikaartigen, antik anmutenden Gewändern: Sie laufen nach gleichförmigen Schrittmustern, heben dabei zackig die Arme, malen mit den Fingern Zeichen in den Raum.Dazu spielt eine Frau auf und mit ihrer Querflöte.Überbläst und fiepst, spricht in ihr Instrument und klopft auf das Silber.Jeder Laut wird verstärkt.Die Studiobühne der Freien Universität Berlin hat sich mit ihrem Projekt im Theater am Halleschen Ufer einer langen Geschichte angenommen: der Geschichte von "medea" (Wieder am 10.und 11.Mai, jeweils um 21 Uhr).In der Inszenierung von Haiko Pfost hat Medea kein konkretes Gesicht - sie bleibt körperlos.Ihr Mythos schwebt im kahlen Theaterraum - eine "opera für stimme, leib, querflöte".Die Gedankenfetzen lassen einen nicht mehr los.Ströme, die sich im Unterbewußtsein hineinfräsen: Pein, Angst und Schmerz.Vielleicht ist das Medeas Innenleben.Hört man im Chor - gleich dem antiken Vorbild - schmähende Rufe, das (K)hetzerische Urteil aus dem Volksmund.Manchmal ist es, als blöke ein Opferlamm.Der über Jahrtausende hinweg diskutierten und immer wieder neu geschaffen Rolle der Medea widmete sich die Forschungsgruppe, auf deren Grundlage das Projekt entstand.Das Resultat läßt den theoretischen Ansatz zum Glück in den Hintergrund treten, läßt der freien Interpretation großen Spielraum.Ohne erkennbare Geschichte wird trotzdem etwas erzählt.Licht- und Bewegungschoreographie zeigen harmonisch abstrakte Bilder, die phantasievollen Kostüme und die Geräuschcollage unter musikalischer Leitung von Christian Messer sprechen die Sinne direkt an.

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