Kultur : Schweizer in Sibirien

Silvia Hallensleben

reist im Kino um die Welt Die russischen Filmtage und das finnische „Moi Suomi“-Festival im Acud sind vorbei. Schwenk also um 180 Grad, von Nordostost nach West, von den lakonischen Winternächtlern dorthin, wo Eloquenz im Kino zu Hause ist. Nicht jeder, der einmal in Frankreich war, möchte der Frankophonie das Wort reden. Doch bei den fünfzehn Filmen aus ebenso vielen Filmländern, die das Festival du film des pays de la francophonie in Berlin vorstellt, wundert eher die gelegentlich komplette Abwesenheit von Non und Oui. So etwa „Raja Bori, La Cité Royale“, ein Liebesdrama um die Plünderung kambodschanischer Tempelanlagen, das am Samstag im Institut Français auf kambodschanisch mit englischen Untertiteln präsentiert wird. Regisseur ist Seine königliche Hoheit Samdech Krom Preah Norodom Ranariddh, ein Sohn des ehemaligen König Sihanouk und Juraprofessor in Aix-en-Provence. Echt frankophon dagegen Jean-François Amiguets „A sud des nuages“, der eine Gruppe welscher Älpler mit der sibirischen Eisenbahn bis China schickt. Die Schweizer Version von „Schultze gets the Blues“ wird ebenfalls am Samstag im Cinema Paris gezeigt.

Von China weiter in alle Welt. Um die Orte des Kinos geht es noch bis zum 27. März im Arsenal in dem Programm Topographie im Blick , das da weitermacht, wo die Berlinale-Retro dieses Jahr aufhörte. In achtzehn Filmen jenseits des narrativen Mainstreams wird uns die räumliche Dimension des Kinos näher gebracht. Warum gibt es eigentlich – parallel zu Fotografie und Malerei – kein Landschaftskino? Oder doch? Filme wie James Bennings „El Valley Centro“ (heute) oder Babette Mangoltes „The Sky on Location“ von 1982 (am Freitag) können als Ansätze solcher Landschaftsfilmerei gelten. Den essayistisch kritischen Blick auf die Ideologisierung scheinbarer Naturlandschaft realisiert Hartmut Bitomsky in seinem auch nach fast zwanzig Jahren immer noch höchst sehenswerten Klassiker „Reichsautobahn“ am Samstag.

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