Kultur : Schwelgen und Schwitzen

ROCK

Jens Thomas

Aus zwei mach eins. The Mighty Mighty Bosstones, eine achtköpfige Formation aus – wie der Name verrät – Boston, verbindet wie keine zweite Band so gekonnt die beiden Substile Ska und Hardcore. Nun waren die G8 des Ska-Cores im Columbia Fritz zu sehen und bestätigten wie schon Jahre zuvor im Berliner SO36: Ska-Core braucht Ausdauer und exaktes Timing. Beides stellte die Gruppe unter Beweis.

The Mighty Migthy Bosstones waren vornehm in schwarze Anzüge eingekleidet. Das Gold ihrer aufplolierten Schlagzeugbecken und Blasinstrumente funkelte von der Bühne: eine pompöse, feierliche Gesamterscheinung. Neben den sieben agilen Musikern legte ihr Bühnenanimateur (wie auf der Tour zuvor) einen Tanzmarathon hin, so spritzte nicht nur Schweiß von der Bühne, sondern der Funke sprang auch aufs Publikum über: Die zunächst vorsichtig ruckelnde Masse verwandelte sich plötzlich in einen ekstatisch rempelnden Haufen.

Ein kunterbuntes Programm mit Stücken aus zehn Veröffentlichungen wurde serviert. Ska-lastige Strophen, charakteristisch durch die Off-Beat-Betonung der Gitarre, münden bei The Mighty Mighty Bosstones immer wieder in hymnenartige Refrains. Sänger Dicky Barrett kombiniert dabei Melodisches mit tiefgröhlenden Gesangsattacken; der traditionelle Ska der Londoner Rude Boys geht bei ihnen in metallischen Hardcore über.

The Mighty Mighty Bosstones ist eine Band der ersten Stunde, darum hatte sich kaum ein Teenie in diesen Konzertsaal verirrt. Nach drei schweißtreibenden Zugaben ging unter demonstrativem Zugabengeklatsche das Licht an. Die Masse schwelgte in „Jugenderinnerung“.

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