Kultur : Schwer in Ordnung

POP

H.P. Daniels

Auf der hinteren Bühne sitzt das DAFO-Streichquartett aus Krakau. Drei junge Damen und ein Herr am Cello. Rasant, aber konzentriert zwitschern und witschern sie über die Saiten, bitzeln und pizzikateln sie ganz wunderbar das 2. Streichquartett von Penderecki. Jubel im Kon zertsaal der UdK . Lambchop huschen auf den vorderen Bühnenteil, während die jungen Polen schon mal vorstreichen mit einem hübschen Intro. Tony Crow am großen Steinway Flügel malt melancholische Akkorde in Moll und kräftige Melodielinien. „The crickets cry tonight, here comes your girl“, singt Kurt Wagner mit seinem scheuen, tiefen Bariton. „You can call me bastard, you can call me friend!“ Dahinter leichtes Besenschlagzeug, Bassgitarre. Deanna Varagona spielt heute nur Akustikgitarre, kein Saxophon. Es gibt diesmal auch keine Synthesizer, kein Vibraphon, keine Trompete, und keinen Mark Nevers mit Messer-Gitarre. Dafür eine elektrische Gitarre, zwei weitere irgendwo hinten versteckt. Einer spielt auch mal Pedal Steel. Wagner wabert zwischendurch auf dem Wah-Wah-Pedal und seiner schönen alten Gibson.

„A new kind of soul, a new kind of country!“ war die treffende Parole zum Album „Nixon“ (2000). Heute, zwei Platten und etliche Auftritte weiter, entzieht sich das Kammerorchester jeder Einordnung. Wagner und Lambchop haben sich inzwischen aus Partikeln von verlangsamtem Motown-Soul, Pop, Country, Jazz und Kunstlied ihre eigene Kategorie geschaffen. Ganz still ist es im Publikum. Bis ein Begeisterter „Huh!“ ruft und Wagner sich erkundigt, ob alles in Ordnung sei. Ja, schwer in Ordnung!

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