Schwermetall : Prachtkerle und Weibsbilder

Musikalisch hat sich Heavy Metal in 40 Jahren nur wenig gewandelt. Doch die Klischees von harten Männern und willigen Frauen bröckeln.

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Ledermann für Jedermann. Manowar-Sänger Eric Adams als Macho im Nieten-Wams.Alle Bilder anzeigen
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07.09.2011 15:05Ledermann für Jedermann. Manowar-Sänger Eric Adams als Macho im Nieten-Wams.

Kaum ein anderer Stil der jüngeren Musikgeschichte hat im Laufe seiner Entwicklung so viele Anhänger und Gegner gefunden wie der Sound des Metal, um leidenschaftlich über den Sinn und die Qualität, die Besonderheit und die Gefahren dieser Musik zu streiten. In den über vierzig Jahren, die seit der Entstehung des britischen Heavy Metal vergingen, haben viele der Klischees von Horden ungepflegter, asozialer und unmusikalischer Jugendlicher ihre Brisanz verloren und werden höchstens noch als Anekdoten aus der guten alten Zeit gepflegt.

Im Vergleich zu den rapiden, marktorientierten Stilwechseln im Pop und vor dem Hintergrund der digitalen Umwälzungen seit der Jahrtausendwende und den davon ausgelösten veränderten Konsumgewohnheiten werden die Besonderheiten des Metal deutlich. Wie konnte diese Musik die eigene Attraktivität über die Jahre erhalten und sukzessive ausbauen? Wie transportiert sie allen Veränderungen zum Trotz noch immer das Lebensgefühl von Musikern und Fans, Bestandteil einer alternativen nonkonformistischen Subkultur zu sein, ohne einen Widerspruch zu ihrem globalen Multimillionenpublikum zu verspüren?

Auf musikalischer Ebene liegt der wesentlichste Grund in der Präsenz des Metal als Live-Erfahrung. Musiker, die ihre Stücke selbst schreiben und im Tonstudio ausarbeiten, verbinden sich im Konzert mit ihren Fans zu einer Glaubensgemeinschaft. Mit ausgiebigen Tourneen und lauten, intensiven Shows bauten sich viele Bands über die Jahre eine treue und loyale Anhängerschaft auf. So ließen sich auch die Dürrezeiten der neunziger Jahre überstehen, als der mit Nirvana kurzzeitig zum Massenphänomen stilisierte Grunge den Markt für harte Rockmusik tiefgreifend veränderte.

Ein anderer Erklärungsansatz betrifft das besondere Verhältnis von Kontinuitäten und Veränderungen. Im historischen Rückblick zeigt sich dies bereits in der Frühphase von Black Sabbath Anfang der siebziger Jahre, als sie den Blues von Jimi Hendrix und den Hard Rock von Deep Purple und Led Zeppelin roher, rauer und härter spielten, wofür sich bald die Stilbezeichung Heavy Metal durchsetzte. Entscheidend dabei war die Herkunft der männlichen Musiker und ihrer ebenfalls rein männlichen Anhänger aus dem ärmlichen britischen Arbeitermilieu, die ihre Frustration und Perspektivlosigkeit musikalisch kanalisierten und damit Jahre vor der Entstehung des Punk den Nerv der Zeit trafen. Die Wut gegen das Establishment und die Ablehnung des intellektuellen Progressive Rock von Yes, Pink Floyd oder Emerson, Lake and Palmer verselbstständigte sich zu einer Bewegung junger Nachwuchsbands, die mit der sogenannten Neuen Welle des britischen Heavy Metal in den frühen achtziger Jahren die Vereinigten Staaten erreichte und insbesondere in der Bay Area um San Francisco mit Slayer, Exodus, Testament und Metallica legendäre Formationen hervorbrachte.

Lesen Sie weiter: Der Durchbruch der Frauen – Doro und Co. auf der Überholspur.

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