Kultur : Schwerter zu Schallplatten

Bodo Mrozek

hört bündnisgrüne Tanzmusik Die Tätigkeit des DJs gilt manchen als neuzeitliche Modeerscheinung. Dabei wird vergessen, dass auch dieser Beruf bereits auf eine ehrwürdige Geschichte zurückblicken kann. In der DDR war Schallplattenalleinunterhalter sogar ein Lehrberuf. Und als vor wenigen Monaten der Radio-Discjockey John Peel mit 65 Jahren starb, betrauerten die Nachrufe den „letzten DJ“. Wie bitte, den letzten? Ist nicht das DJ-tum einer der letzten Bereiche, wo es noch ungebremstes Wachstum gibt?

Heute kann anscheinend jeder ein DJ sein. Ein Zeichen dafür ist die neue Mode des Promi-DJs. Schriftsteller, ehemals berühmte Popsänger: Sie alle legen irgendwann irgendwo Platten auf. Kaum hatte der Film „Gegen die Wand“ den Goldenen Bären geworden, warben Party-Flyer auch schon mit dem Namen des Regisseurs: „DJ Fatih Akin“. Da will die Politik nicht zurückstehen. Spätestens seit den nächtlichen Aktivitäten des Klaus „Showereit“ ist das Nachtleben Chefsache in der Berliner Politik. Selbst die Bundespolitik will nicht zurückstehen. Auf der Website von Rezzo Schlauch www.rezzo.de kann man Bilder aus der Disko 90 Grad bewundern. Am 22.1. macht der Staatssekretär für den Mittelstand im Clement-Ministerium nun Ernst: Auf der „Schönen Party“ in der Kalkscheune (Johannisstr. 2, Mitte) gibt „DJ Rezzo“ sein Debüt an den Plattentellern.

Die veranstaltende Agentur beruhigt vorab die Gäste: Der bekennende Altachtundsechziger habe keinesfalls nur Stones und Schubert in den Plattenkoffern. Nein, man höre und staune: DJ Rezzo spielt eine bunte Mischung aus Soul, Blues und Elektropop bis hin zu den Detroit Cobras und Strokes. Also gewissermaßen ein buntes Multikulti der Tanzmusik von Abba bis Zappa.

Vielleicht war John Peel doch der letzte DJ. Der Beruf des Schallplattenalleinunterhalters ist ein anderer.

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