Schwul-lesbischer Filmpreis : Teddy, Tilda und Tänze

Kleiner Bär, große Party: Im Haus der Kulturen wurde zum 22. Mal der schwul-lesbische Filmpreis - der Teddy verliehen.

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Ausgezeichnet: Für ihren Dokumentarfilm "Be like Others" erhielt Tanaz Eshaghian den Special Jury Award der Teddy-Jury und die...Foto: dpa

BerlinEr ist klein, knuffig, guckt ein bisschen schräg und – das allerwichtigste – er ist der kleine Bruder des berühmten Berlinale Bären: der Teddy. Bereits zum 22. Mal wurde der Teddy Award, der, so sagen die Veranstalter, „weltweit wichtigste schwul-lesbische Filmpreis“, am Donnerstagabend im Haus der Kulturen der Welt vergeben. Große Freude herrschte dort am roten Teppich: Tilda Swinton, mit feuerroten Haaren und im quietsch-rosaroten Kleid, kam persönlich, um einen Ehrenteddy entgegenzunehmen. Nach der Premiere ihres Berlinale-Films „Julia“ am vergangenen Wochenende war sie zunächst wieder nach Großbritannien geflogen. Weil sie das Erbe des 1994 an Aids verstorbenen britischen Filmemachers Derek Jarman „lebendig halte“, bekam sie nun gemeinsam einen Special Teddy. Mit ihrem zweiten Besuch auf der Berlinale warb sie auch für ihren Dokumentarfilm „Derek“, den sie am Freitag vorstelle.

Kurz bevor am Donnerstagabend Tilda Swinton die Bühne betrat, setzten die zwei Artisten „Caesar Twins“ dieselbe während einer Vorführung noch unter Wasser, als sie in und um einen Mini-Pool herumturnten. Doch Tilda Swinton zögerte nur kurz und stakste dann auf hochhackigen Schuhen und mit einem Lächeln durch die riesige Pfütze. Swinton, die in zahlreichen Filmen von Jarman spielte, widerprach heftig, als sie als seine Muse vorgestellt wurde: „Derek brauchte gar keine.“ Berlinale-Panorama-Chef Wieland Speck würdigte Jarman als ein Vorbild für Künstler, „die keine Kompromisse eingehen“ und ermutigte die frisch gebackenen Teddy-Preisträger: „Keep his spirit alive.“

Ein weiterer Special Teddy ging an das schwule Filmemacher-Paar Hans Stempel und Martin Ripkens. Die beiden konnten zwar aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Verleihung kommen, bedankten sich aber per Videobotschaft. „Sie mussten für ihre Partnerschaft kämpfen und sich durchsetzen“, sagte Laudator Klaus Wowereit. Der Teddy stehe nicht nur für besondere Filmkunst, sondern auch für Toleranz und Akzeptanz und gegen Diskriminierung.

Den Teddy für den besten Kurzfilm erhielt die brasilianische Produktion „Tá“ von Felipe Sholl, als bester Spielfilm wurde „The Amazing Truth about Queen Raquela“ von Olaf de Fleur Johannesson ausgezeichnet. Der Film „Football Under Cover“ von David Assmann und Ayat Najafi gewann gleich zweimal: Er bekam den Teddy in der Kategorie „bester Dokumentarfilm“ und den Volkswagen Zuschauerpreis. Der Special Jury Award ging ebenso wie der Leserpreis des Magazins „Siegessäule“ an Tanaz Eshaghians Dokumentarfilm „Be like Others“ über Homosexualität im Iran. Ausgesucht und bewertet wurden die Filme zuvor von einer internationalen, achtköpfigen Jury.

Zur Preisverleihung und anschließenden Party kamen unter anderen auch Claudia Roth, Volker Beck, Schauspieler Georg Uecker und Ades Zabel alias Edith Schröder. Und als gegen Mitternacht Discjockeys wie Divinty und Maringo auflegten, steppte der Teddy. (tja)

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