Science Fiction im Filmmuseum Berlin : Hinterm Mond geht’s weiter

"Things To Come": Das Berliner Filmmuseum lädt in die Welt der Science Fiction ein - für Anfänger wie für Fortgeschrittene.

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Gute Qualle. Ein Alien für James Camerons "Abyss", entworfen vom Comiczeichner Moebius.
Gute Qualle. Ein Alien für James Camerons "Abyss", entworfen vom Comiczeichner Moebius.Foto: Fox/Moebius

Was außerhalb der eigenen Erlebnissphäre liegt, hat die Fantasie der Menschen schon immer besonders angeregt. Und was wäre weiter vom Alltag der Erdbewohner entfernt als die unendlichen Weiten des Weltraums. Auch das Medium Film hat sich bereits in seinen Kindertagen mit dem Außerirdischen beschäftigt. Im Jahr 1902 verquirlte der geniale französische Filmpionier Georges Méliès Motive aus Romanen von Jules Verne und H.G. Wells zu einer Erzählung von tapferen Männern in Frack und Zylinder, die sich in einer Metallkapsel auf den Mond schießen lassen und es dort mit feindseligen Trabantenbewohnern zu tun bekommen. „Le voyage dans la lune“ war nicht nur der Urknall des ScienceFiction-Films, sondern ein früher Meilenstein des Mediums überhaupt.

Méliès' Film, dessen überbordende Fantasie und visueller Reichtum noch heute beeindrucken, ist eines jener ikonischen Werke, die einem in der sehenswerten Ausstellung „Things to come. Science – Fiction – Film“ immer wieder begegnen. Das Thema drängte sich auf, erlebt doch kaum ein Genre einen so beständigen Boom wie der Science-Fiction-Film. Seit der erste „Star Wars“-Teil 1977 alle Einspielrekorde pulverisierte, sind Weltraumabenteuer und Alien-Invasionen Kassenmagneten: Von den zehn erfolgreichsten Filmen der Kinogeschichte gehören fünf zum SF-Genre.

Science Fiction reflektiert immer die Ängste der Gegenwart

Wichtiger als das kommerzielle Potenzial sind aber die inhaltlichen Aspekte, spiegelt der SF-Film doch immer die Zeit, in der er entstanden ist. Umweltkatastrophen, Überwachungsparanoia, Kriegsängste, Xenophobie, soziale Verwerfungen, all das reflektiert der SF-Film, dessen Grundton immer pessimistischer geworden ist: Positive Utopien mit friedlichen Außerirdischen wie in Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ (1977) oder Robert Zemeckis „Contact“ (1997) sind heute selten.

Die museale Aufbereitung des Stoffs ist heikel. Die Filme selbst lassen sich schlecht ausstellen (einige Klassiker zeigt ab Oktober das Bundesplatz-Kino). Doch in den auf drei Stockwerke verteilten Themeninseln „Der Weltraum“, „Die Gesellschaft der Zukunft“ und „Das Fremde“ hat das Kuratorentrio Kristina Jaspers, Nils Warnecke und Gerlinde Waz ein Konvolut an Objekten zusammengetragen, das über eine reine Illustration des Sujets weit hinausreicht. Zahlreiche Leihgeber vom Hollywoodstudio bis zum Privatsammler haben Schätze aus ihren Archiven freigegeben. So kann man Filmroboter und Raumschiffmodelle verschiedenster Epochen und Größe – etwa die legendäre „Enterprise“ und einen „Tie Fighter“ aus „Star Wars“ - bewundern und sich vor lebensgroßen Alienpuppen gruseln.

Zudem sind viele aus Filmen bekannte Motive in künstlerischen Vorstudien zu sehen, etwa die quallenartigen Alien-Entwürfe des Comiczeichners Moebius für „The Abyss“ (1989) oder eine hinreißende Fantasieplanetenlandschaft für „Barbarella“ (1968).

Die Ästhetik der Raumanzüge? Alles übertrieben, alles Fake

Der Echtheitsfetischismus der Raumanzüge aus „Event Horizon“ (1997) und „Armageddon“ (1998) wird als Fake enttarnt – ein daneben gezeigter, real gebrauchter Raumanzug beweist, wie sehr die Requisiten auf Übertreibung setzen. Überhaupt gibt es zwischen Realität und Filmfiktion vielfache Wechselwirkungen. Bauten von Mies van der Rohe oder Oscar Niemeyer inspirierten futuristische Fiktivbehausungen, andererseits inspirierte die Techno-Sterilität von Kubricks „2001“-Interieurs das Industrial Design bis hin zum ebenfalls ausgestellten Forschungsroboter Myon. Ganz abgesehen vom Countdown: Der wurde 1929 in Fritz Langs „Frau im Mond“ erfunden und später von der Nasa für echte Raketenstarts übernommen.

Ein zentrales Element der Schau ist sinnigerweise dann doch filmischer Natur: Auf Bildschirmen laufen in Dauerschleife etwa zehnminütige Clips, die zu klassischen Motiven wie „Hyperschlafraum“, „Kommandobrücke“ oder „First Contact“ SF-Filmszenen kompilieren.

Dieser Lauf durch die Filmgeschichte ist so spannend wie lehrreich und manchmal nur etwas für nervenstarke Besucher: So wird „Der Mensch als Wirt“ mit besonders drastischen Szenen aus „Alien“, „Die Körperfresser kommen“ und „Matrix“ vorsichtshalber an die Decke projiziert. Wer das – empfohlen ab 16 Jahren – sehen möchte, legt sich auf eine Liege in dem einem klinisch weißen Labor nachempfundenen Raum (Ausstellungsarchitektur: das Berliner Büro Franke/Steinert). Insgesamt zielt „Things to come“ auf Neueinsteiger, doch auch den Genre-Enthusiasten erwartet auf diesem Trip durch die durchgeknallte Welt des Sci-Fi-Films viel Entdeckenswertes.

Bis 23. April 2017 im Berliner Filmmuseum, Filmhaus am Potsdamer Platz, Di bis So 10-18, Do 10-20 Uhr

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